«Wir sind nicht deine Pornofantasie!»

Wie ich mich im Ausgang gegen pubertierend Jungs zu wehren lernte.

Megan Eve ist unsere neue Bloggerin. Die junge Lesbe hat ihr Coming out erst grad hinter sich und entdeckt jetzt die LGBTQ-Szene. Sie wird auf bern.lgbt über ihre neuen Erfahrungen und Erlebnisse in der Regenbogenwelt berichten. Eve Megan ist halb Britin halb Sizilianerin und ganz Bernerin. Wenn sie nicht über den Regenbogen reitet, arbeitet sie als Kauffrau im Gesundheitsbereich.  

Seit ich mich geoutet habe, hat sich vieles verändert. Mein Vater, der dauernd Lesbenwitze reisst, Ex-Freunde die Fragen, ob sie der Grund sind, dass ich lesbisch «geworden» bin und Freundinnen die mich dauernd mit ihrer lesbischen Kollegin (es gibt immer nur eine, da meine Freunde nicht wirklich in der Gay-Szene unterwegs sind) verkuppeln wollen. Was sich auch verändert hat, ist der Ausgang und wie ich dort wahrgenommen werde.

Meine Samstag Abende fangen immer gleich an, nämlich am Nachmittag, in dem ich die Tradition von allen Frauen einhalte und mich von Kopf bis Fuss rasiere, meine Nägel streiche und nur Sachen esse von denen ich weiss, dass sie mich nicht aufblähen. Das sind meistens nur Äpfel und Hüttenkäse, Esswaren, die leider nie einen Kater vorbeugen können. Ich wechsle meine Kleider gefühlte tausend Male, bis ich zu meinem braunen Samtkleid greife, welches ich jeden Samstag anhabe. Ich bereite mich seelisch auf die dummen Kommentare vor, die immer von den gleichen Männer kommen, nämlich Männer die sich wie 12-Jährige benehmen, einen schrecklichen Flaum auf der Oberlippe haben und immer, wenn ich mit einer Frau unterwegs bin, «mitmachen» wollen. Im fucking sick and tired of it!!

Let me tell you the story of my first time at a gay party. Ich war so nervös, hatte das Gefühl dass ich mich Butch hoch Tausend anziehen musste, sprich ein Beanie und ein kariertes Hemd von der Männerabteilung, die mich – mit meinem stolzen 1.58 Meter grossen und 54 Kilo schweren Körper – aussehen liessen, wie ein kleiner Junge im Hemd seines Vaters. Ich fühlte mich natürlich grossartig, ich sah endlich aus wie eine richtige Lesbe!! (Nicht das diese existiert, aber das ist ein Thema für ein anderes Mal.)

Als ich in den Club eintrat, fühlte ich mich fast wie zuhause. Das einzige Problem war, dass es ein totales Sausage-Fest war. Ich habe noch nie so viele schwule Männer auf einmal in meinem Leben gesehen! Es hatte vielleicht eine einzige Lesbe, in die ich mich natürlich Hals über Kopf verliebte. Okay, ich hatte etwa 5 Tequila Shots und 5 Gin Tonics intus, also war mein Judgement ein bisschen impaired. 20 Minuten später waren wir draussen und hatten unsere Zungen so fest in den Hals gerammt, dass ich fast Angst hatte zu ersticken. Dann kam er, der Spruch, den ich immer wieder hören werden würde, «Ey, huere Geil, channi mitmache?» Es war so ekelerregend und so unangebracht, dass ich den Sprücheklopfer fast umbringen wollte. Aber leider konnte ich mich nicht mehr bewegen, ich war wie in einer Schockstarre und meine Zungenkusspartnerin ebenfalls. Nachdem ich mir ein schnelles «Fuck off» erlaubte, ist er gegangen und hat meinen guten Stimmung mitgenommen.

Nachdem ich daheim angekommen bin, mir meine Medis eingejagt hatte und eine ganze Büchse Ben and Jerrys inhalierte, wurde ich von Wut erfüllt. «Nächstes Mal, nächstes Mal schmiere ich ihm eine rein», dachte ich.

Habe ich bis jetzt nie gemacht.

Aber ich bin schlagfertiger geworden, jedes Mal, wenn ich ein «Ey, huere geil!» oder ein «Darfi Mitmache» oder ein «Hey, dir bruchet sicher no eh Mah» höre, kann ich zurückgeben, «Ja si mir, hesch no eh cleveri Bemerkig», «Sorry, mir stöh nid uf prepübertäri Giele» und «Mir si imfau chle z’jung um Chind z’ha, auso bruuche mr definitiv ke Mah». Dies gibt mir Kraft.

Für diese permanent schikanierenden Männer, die nur ihre Pornofantasie ausleben wollen, sind wir Beute, fast wie bei einer Hauskatze, die auf einen Vogel losgeht. Leider wissen diese jagdfreudigen Hauskatzen nicht, wie giftig wir wirklich sind. Wir sind nämlich nicht hilflose Spatzen, sondern Raben, die sich an alles erinnern und ihnen Fallen legen. Mit jedem Blick, jedem Wolfwhistle und jedem Sabber werde ich stärker und weiss, wie ich sie in die Falle locken kann. Mit einem kleinen Zwinkern und einem «ja villech bruche mir ja no eh Mah, aber de bruuche mir definitiv no chle öbbis z’Trinke» wird mein Ausgang finanziert, ihre Geilheit ruiniert sie finanziell, da sie mir und mein Date den ganzen Abend Getränke und Shots ausgeben. Irgendwann «verlieren» wir sie im Club und gehen lachend nachhause und erfüllen ihre Pornofantasie – einfach ohne sie.

Kommentare
  1. Daisy sagt

    Wow! Toller erster Blog Eve! Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Geschichten aus deinem Leben!
    Proud of you😘

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