Das Debütalbum von The High Horse

Plattentaufe am 23. November in der Turnhalle

«Best of Worst Vol.1» heisst das Debütalbum des queeren Duos The High Horse aus Bern. Sie geben dem Pop-Abfall der 90’s ein Klassik-Upcycling. Klassische Musik, die gleichermassen Hühnerhaut und Lachkrämpfe erzeugt. Plattentaufe ist am 23. November in der Turnhalle.

The High Horse, das sind der Pianist Simon Bucher und die Mezzosopranistin Stephanie Szanto. Sie vergleichen sich selbst mit hochdressierten Pferden, weil sie die strenge Schule der klassischen Musik durchlaufen haben. Jahrhundertelang schon gilt die klassische Musik als wertvolle Hochkultur. Doch in den Nächten, als die beiden Dressurpferde aus dem Stall ausbüxten, tanzen sie unter der Discokugel zu den Hits ihrer Jugend, dem Eurodance, der billigen Tiefkultur unsere Generation. Doch, Musik ist Musik, sagen die beiden, sie kennt keine Grenzen. «No, no, no, no, no, no, no, no, no, no, no, no there‘s no limit».

Unsere Ausbildung als Klassische Musiker ist vergleichbar mit der eines Dressurpferdes. Was mag passieren, wenn zwei so hochdressierte Pferde durchbrennen und aus ihrem Gehege ausbrechen?
Simon Bucher – Pianist

Wieso nicht die Nacht zum Tage machen, die Hits aus den Niederungen der Popmusik auf das ‹hohe Ross› setzen? Was passiert, wenn zwei klassisch ausgebildete Musiker sich mit «Barbie Girl» und «I’m Too Sexy» auseinandersetzten?

«Es macht sehr viel Spass!» erzählt Simon Bucher, «Zu paaren was sich nicht paaren lässt ist immer ein lustiges Experiment.» Doch wie wählt das Duo aus, was in ihr Repertoire aufgenommen wird? «Nur Songs mit weniger als 3 Akkorden und Texten mit mehr Tiefgang als Rilke, Schiller und Goethe zusammen, kommen in die engere Auswahl», meint Simon ironisch. «Oft entstehen die Ideen bei uns spontan beim Improvisieren. Jedoch verlangt es dann schon noch einiges an Arbeit, bis so ein fertiges Arrangement steht.»

Miriam Lenz schreibt im Booklet zum ersten Album von The High Horse: «Szanto und Bucher sprechen den trivialsten Hits der 80er und 90er-Jahre einen Glanz der Erhabenheit zu, genauso wie sie die ernste Musik mit Humor betrachten. Und so ist The High Horse mit ihren Parodien eine einzigartige Melange aus dem besten der beiden Genres. «Best of Worst Vol. 1» ist ein Debütalbum wie eine Liebe, von der man erst nach dem Finden weiss, dass man sie ein Leben lang gesucht hat. Sie kommen einem bekannt vor und sind gleichzeitig nie gehört, die edel-skurrilen Eigenkompositionen und faszinierenden Arrangements der beiden Künstler. Klassische Musik, die gleichermassen Hühnerhaut und Lachkrämpfe erzeugt.»

Ich wollte immer nur Musik machen und verstand nicht, warum ich mich für einen bestimmten Stil hätte entscheiden sollen. Musik ist Musik. Punkt.
Stephanie Szanto

Wer Songs von anderen covert, muss dafür zahlen, denn auf diesen Kompositionen — seien sie noch so trivial — liegt ein Copyright. «Das ist in der Tat ein heikles Thema», gesteht Simon, «Die Lösung heisst: Parodie! Damit haben wir zwar Narrenfreiheit, jedoch nicht die Rechte für unsere Arrangements. Wenn nun also jemand unsere Songs kopieren möchte, dann… nur los! Wir würden uns geehrt fühlen!»

Gab es denn schon Rückmeldungen von den Originalinterpreten? «Bis jetzt haben uns weder David Hasselhoff noch Dr. Alban geschrieben — warten wir mal ab.»

Simon und Stephanies Projekt, dem Pop-Trash der 90er-Jahre ein Klassik-Upcycling zu verpassen, begann 2014. Unter dem Namen «Petting goes Classic» konzentrierten sie sich auf BRAVO-Hits. Jetzt hat das Duo entschlossen, seinen Namen zu ändern. «Petting ist ja das geflügelte Wort von Dr. Sommer; aus der Sexberatung der BRAVO. Da wir nun aber zu internationalen Pferdesprüngen ansetzten und uns neben den BRAVO-Hits auch um andere Hits kümmern wollen, (und auch der Klassikszene auf ihrem hohen Ross noch einen liebevollen Seitenhieb verpassen möchten) war es an der Zeit für einen Namenswechsel. Wir taufen also nicht nur unsere erste CD, sondern auch unseren neuen Namen.»

Pferde sind auch auf dem Cover ihrs Debüt-Albums zu sehen, zusammen mit den beiden Künstlern in Abendgarderobe. «Das war ein selten skurriles Erlebnis, im Smoking mit Klunkern am Arm über den Bauernhof zu stolzieren», erinnert sich Simon. «Die Mini-Ponys (keine Pferde!) waren allerliebst und sehr artig. Die Fliegen jedoch waren nicht nur an Tier, sondern auch an Mensch interessiert. Das gab es einiges weg zu retuschieren!»

‹The High Horse›, der neue Name des queeren Duos, sowie ihr erstes Album ‹Best of Worst Vol. 1›, das sie diesen Sommer aufgenommen haben, wird am Samstag, 23. November in der Turnhalle aus der Taufe gehoben. Sind die süssen Mini-Ponys auch dabei? «Na ja, soooo artig waren die lieben Pferdchen dann doch wieder nicht. Wir dressieren eifrig, mal schauen, ob’s bis zum 23. November reicht.»

Ob mit oder ohne tierische Begleitung, die Plattentaufe wird bestimmt ein Ohrenschmaus und ein Zwerchfellkitzler werden.


Das Album ‹Best of Worst Vol. 1› von The High Horse erscheint am 8. November auf dem Markt.

Plattentaufe
‹Best of Worst Vol. 1› von The High Horse

Samstag, 23. November 2019
20.30 Uhr, Turnhalle PROGR

Hits aus vier Jahren Bühnenprogramm

Tickets unter: https://tipo.ch/pettinggoesclassic


Links

http://pettinggoesclassic.ch

www.simon-bucher.ch

www.stephanieszanto.ch

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