
DJ Coreys MusikTipps Oktober 2026
Troye Sivan, Soft Cell, Chaka Khan, MNEK, Pabllo Vittar, Trixie Mattel, Orville Peck, Pierre De Maere, Billie Bird, Ariete, Danger Dan.
Die feminine Seite von Troye Sivan. Das finale Album von Soft Cell. Das Comeback von Chaka Khan. Das queere Dance-Album von MNEK. Das internationale Album von Pabllo Vittar. Die Halloween-EP von Trixie Mattel. Das Therapie-Album von Orville Peck. Das Coming-of-Age-Album von Pierre De Maere. Die Sommererinnerungen von Billie Bird. Das urbane Italo-Pop von Ariete. Neue Protest- und Liebeslieder von Danger Dan.
TROYE SIVAN
She’s The Best (Tokky’s Music / Interscope Records)
Auf seinem dritten Album «Something To Give Each Other» entledigte sich Troye Sivan des verträumten Bedroom-Pop seiner Anfänge und vollzog eine unglaubliche Kehrtwendung zum schwulen selbstbewussten Pop-Star mit einem deutlichen Fokus auf Club-Sound, explizite Sexualität und körperliche Nähe. Auf dem neuen Werk «She’s The Best» widmet sich der australische Held des Queer-Pop seiner femininen Seite, die er als einzige Konstante in seinem Leben beschreibt. «She’s The Best» handelt vor allem von den Sonnen- und Schattenseiten eines Lebens im Scheinwerferlicht und pendelt zwischen Club-Ekstase und Nachdenklichkeit. Zum Charme der neuen Songs trägt auch Troyes leicht nuschelnder Gesang bei, der oft in Sprechgesang übergeht. Auf «Party» sampelt er Madonnas Mega-Hit «Music», wohl gemerkt mit ihrer Erlaubnis.
SOFT CELL
Danceteria (Soft Cell Music)
Das ikonische Synthie-Pop-Duo huldigt auf seinem finalen Album «Danceteria» dem gleichnamigen legendären Nachtclub und dem New York der Achtziger Jahre. Wie Madonna auf «Confessions II», das auch einen Song namens «Danceteria» enthält, schwelgen Sänger Marc Almond und Soundtüftler Dave Ball in Erinnerungen an eine Zeit des kreativen Aufbruchs und der grenzenlosen Vielfalt in der Clubmusik. So switchen Soft Cell zwischen düsteren Synthie-Klängen, Euro-Disco, Cabaret, Northern Soul und Post Punk, als gäbe es keinen Morgen. Leider ist Dave Ball kurz nach Fertigstellung des Albums gestorben. Damit nehmen die Songs auf «Danceteria» für Marc Almond und die Hinterbliebenen eine traurigere Dimension an, die sie vorher nicht hatten.
CHAKA KHAN
Chakzilla (Earthsongs/BMG)
Die Soul-, Funk und R&B-Diva Chaka Khan wagt mit 73 Jahren ein Comeback. Pop-Sängerin Sia, die Chaka liebevoll als Patentochter bezeichnet, und Star-Produzent Greg Kurstin, selbst grosse Fans, haben der Musiklegende ein ganzes Album auf den Leib geschrieben. Auf «Chakzilla», in Anspielung an das imposanteste Monster der Filmgeschichte Godzilla, hat Chaka Khan nichts von ihrer Power und Grandezza eingebüsst. Sie setzt mehr auf Pop-Leichtigkeit, geschliffene Produktion und Entspanntheit. Sie will nur noch das Leben feiern und allein oder mit Sia, Snoop Dog und Lenny Kravitz tanzen. Dabei schaut Chaka Khan nicht zurück und scheint vielmehr fest entschlossen, sich selbstbewusst und stark im musikalischen Hier und Jetzt zu behaupten.
MNEK
BULLDOZZER!! (Muzo Music Limited / Universal)
Als Hitlieferant für u.a. Madonna, Kylie, Beyoncé, Dua Lipa und Zara Larson hat der britische Sänger, Songwriter und Produzent die Pop-Musik der letzten fünfzehn Jahre geprägt. Acht Jahre nach seinem Debüt «Language» ist MNEK wieder bereit, ins Rampenlicht zu treten. «BULLDOZZER!!» ist ein Befreiungsschlag in persönlicher und musikalischer Hinsicht. MNEK feiert sich als stolzen schwarzen, schwulen und dicken Mann. Er bricht bewusst mit den Schönheitsidealen und Stereotypen in der Gay Community. Aus dieser Perspektive kreiert MNEK ein Dance-Album, das von 90er-House und UK-Garage stark inspiriert ist und seiner unbändigen Kreativität freien Lauf lässt.
PABLLO VITTAR
LOST IN LUST (MTDRS)
Auf LOST IN LUST, dem siebten rein bilingualen Studioalbum der brasilianischen Pop-Ikone und Dragqueen Pabllo Vittar, dreht sich alles um Tanzen, Leidenschaft, Begierde und Exzesse. Pabllo Vittar hat ein globales Publikum im Visier und verpasst ihrem Mix aus frenetischem Techno, House und Trance und lateinamerikanischen Rhythmen wie Reggaeton, Cumbia und Forrò einen deutlichen Pop-Anstrich. Besonders zu erwähnen: LOST IN LUST ist zu 100 % von LGBTQIA+-Künstlern und -Produzenten geschrieben und produziert worden. Es gibt unter anderem eine spannende Kollaboration mit dem italienischen Superstar Mahmood: POLIZIA.
TRIXIE MATTEL
‘Till Death Do Us Part – EP (PEG Records)
Trixie Mattel, die beliebte US-amerikanische Drag Queen, vereint auf ihrer neuen EP «’Till Death Do Us Part» sechs Stücke, die in morbid-romantischer Atmosphäre baden und speziell für das Halloween-Wochenende konzipiert wurden. Nach einigen Ausflügen in Dance- und Disco-Gefilde vermählt Trixie Mattel nun ihre folkigen Wurzeln aus der Vergangenheit mit unheimlichen Synthie-Einlagen. Insbesondere der Einsatz des Theremins erinnert an alte Horror- und Ufo-Filme. Die Geister und Vampire in den Songtiteln sind aber auch eine Metapher für die Vergänglichkeit der Menschen und die Flucht aus der Realität. In diesem Sinn: Happy Halloween!
ORVILLE PECK
Mule (Warner Records)
Auf dem Duett-Album «Stampede» von 2024 hat sich Orville Peck als begnadeter Country-Pop-Unterhalter entpuppt, was ihm anschliessend zurecht ein Engagement auf der Broadway-Bühne im Musical «Cabaret» und sogar ein Film-Debüt beschert hat. Auf «Mule» wird der maskierte schwule Sänger persönlich. Es ist ein bewusst überzeichnet und theatralisch inszenierter Songzyklus über seine Drogensucht, den Kontrollverlust und wie er den Weg zur Heilung gefunden hat. Im Opener «Prologue (Eulogy Of A Man Turned Mule)» halten Emmylou Harris, Noah Cyrus und Allison Russell eine singende Grabrede auf Orville Peck, der dann wie Jesus wieder aufersteht und den Prozess des Wiederaufbaus durch den glitzernden Country-Fleischwolf dreht.
PIERRE DE MAERE
Ave de Maere (Cinq 7 / Wagrama)
Mit dem Song «Un jour, je marierai un angel» («Eines Tages werde ich einen Engel heiraten») und dem Debütalbum «Regarde-moi» wurde der androgyne Pop-Dandy aus Belgien bei den französischen Victoires de la musique im Jahr 2023 als Entdeckung des Jahres ausgezeichnet. Auf dem Zweitling «Ave de Maere» verlässt Pierre de Maere die Fantasiewelt von «Regarde-moi», legt sein Herz offen und nennt seine Gefühle beim Namen. Auf dem Opener «Mon Paradis» verarbeitet er sein Coming-Out. Pierre De Maere hat sich drei Jahre Zeit gelassen, seinen Gesang perfektioniert und mit seinem Bruder elegante orchestrale Pop-Arrangements kreiert, die ihn in eine Liga mit French-Pop-Grössen wie Étienne Daho oder Sébastien Tellier heben.
BILLIE BIRD
La Lumière Sans Fin Des Etés (Mouthwatering)
Auf dem Cover zu ihrem neuen Album zeigt Billie Bird einen unmittelbaren, intimen Moment. Sie umarmt leidenschaftlich eine blonde Frau im warmen Sonnenlicht. Die Singersongwriterin aus Lausanne präsentiert auf «La Lumière San Fin Des Etés» (das endlose Licht der Sommer) acht Lieder um Nähe, Geborgenheit, Verbundenheit und melancholische Sommererinnerungen. Billie Bird verwandelt alte Wunden in akustische, tröstliche und warme Indie-Folk-Pop-Hymnen. Ihre Kindheit in Pflegefamilien sowie Themen wie queere Solidarität und Herkunft fliessen stark in die Texte ein. Damit erreicht Billie Bird eine emotionale Tiefe, die das Publikum wirklich mitnimmt.
ARIETE
Tutti Tornano A Casa (Bomba Dischi/Warner)
Arianna Del Giaccio alias Ariete, die italienische Bezeichnung für das Sternzeichen Widder, ist eine offen bisexuelle Rapperin und Sängerin, die der römischen Undergroundszene entsprungen ist. Sie wurde bekannt durch ihre Teilnahme an X-Factor Italia im Jahr 2019, als sie erst 17 war. Trotz frühen Ausscheidens entwickelte sich ihre Karriere rasant und führte sie 2023 bis ans Sanremo-Festival. Doch konnte Ariete das schnelle Tempo nicht mithalten und sie spürte plötzlich den Drang nach einer Pause. Nun meldet sich Ariete mit «Tutti Tornano A Casa» zurück. In zwölf Canzoni mit urbanem Touch beschreibt sie ihre Vorstellungen von «Zuhause» und beleuchtet ihren persönlichen Werdegang. Insbesondere die Duette mit Angelina Mango und Fulminacci sind gut gelungen.

DANGER DAN
Keine Angst (Ölsardinenindustrie)
Daniel Pongratz alias Danger Dan, Teil der Hip-Hop-Formation Antilopen Gang, hat 2021 mit «Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt» und dem Album «Reflexionen aus dem beschönigten Leben» den Durchbruch als Solo-Künstler geschafft. In Deutschland kennen ihn mittlerweile alle, nachdem das ZDF ihn letzten Juli aus der Satire-Sendung «Die Anstalt» ausgeladen hat, da es den Liedtext zu «Keine Angst» als einen Aufruf zur Gewalt gegen rechts interpretierte. Auch auf dem gleichnamigen zweiten Solo-Album braucht Danger Dan, abgesehen von ein paar punktuell eingesetzten Streichern, nicht mehr als seine Stimme und sein Klavier. Das genügt für seine mächtigen Protestsongs, ironischen Alltagsbeobachtungen, berührende Liebeslieder und intimen Geständnisse, u.a. zu seiner Augenkrankheit. In «Warum es nicht geklappt hat» singt Danger Dan über die Beziehung zu seinem Ex-Freund. Angesichts von Bedrohungen queerer Veranstaltungen durch Islamisten und Nazis sei nun der richtige Zeitpunkt für ein schwules Liebeslied gekommen, hat er erklärt.
SENDUNG HÖREN
Playlist
Die Musiktipps von DJ Corey immer am 1. Sonntag im Monat im QueerUp Radio auf Radio RaBe
queerupradio.ch
TROYE SIVAN
SOFT CELL
CHAKA KHAN
MNEK
PABLLO VITTAR
TRIXIE MATTEL
ORVILLE PECK
PIERRE DE MAERE
BILLIE BIRD
ARIETE