
DJ Coreys MusikTipps September 2026
Sam Smith, Medium Build, Steve Lacy, Destin Conrad, Channel Tres, Tom Aspaul, Jonathan Bree, Grace Cumming, Bruno Berle, Lido Pimienta, Ebow
Das Liebesglück von Sam Smith. Die Lebensfreude von Medium Build. Der lange queere R&B-Sommer mit Steve Lacy, Destin Conrad und Channel Tres. Das Comeback des Pornobalkens: Tom Aspaul. Jonathan Brees nackte Tatsachen. Drama pur: Grace Cummings. Queerer World-Pop aus Brasilien und Kolumbien: Bruno Berle und Lido Pimienta. Der Conscious Rap von Ebow geht in die nächste Runde.

SAM SMITH
Hazel Eyes (Capitol Records UK, Polydor)
Sam Smith ist glücklich verliebt. Der nichtbinäre britische Pop-Star ist in einer wunderschönen, erwiderten Beziehung mit dem Modedesigner Christian Cowan, mit dem er in Brooklyn lebt. «Hazel Eyes» ist ein musikalischer Liebesbrief an Sam Smiths Verlobten, der sich wie eine warme Umarmung anfühlt. Der Herzschmerz der ersten Alben und die Provokationen aus dem letzten Werk «Gloria» gehören definitiv der Vergangenheit an. Sam Smiths neue Songs kommen praktisch ohne Vokalakrobatik aus und zeugen von grosser Authentizität und Leidenschaft für nostalgische Klänge zwischen Gospel, Soul, Folk, Blues, Doo-Wop und Country.
MEDIUM BUILD
King Of Having Fun (Medium Build LLC, Island Records)
Medium Build, das Solo-Projekt des Singersongwriters Nick Carpenter aus Alaska und grosse queere Hoffnung des Confessional Country, bringt endlich den Nachfolger zu seinem akklamierten Album «Country» heraus. Auf «King Of Having Fun» lernt Medium Build, mit seiner destruktiven Ader klarzukommen und Freude am Leben zuzulassen. Er bezeichnet das neue Projekt als eine imaginäre Postkarte aus der Reha. Carpenter hat die 14 Songs mit seiner Band und engen Vertrauten live im Studio aufgenommen, um echte «Rock’n’Roll-Momente» einzufangen. Medium Build verbindet Country, Folk und Indie zu einem vielschichtigen Sound zwischen Intimität und Energie.
STEVE LACY
Oh Yeah?
Das ehemalige queere R&B-Wunderkind beendet mit «Oh Yeah?» eine vierjährige Schaffenspause. Nicht zu Unrecht gilt Steve Lacy als legitimer Nachfolger von Prince. Wie das Genie aus Minneapolis macht Steve Lacy alles mehr oder weniger in Alleinregie, vom Songwriting über die Produktion bis zur Interpretation und kreativen Leitung. Im Song «The Feeling», der von Sinnlichkeit, Falsettstimmen und Groove strotzt, ist der Einfluss des Meisters deutlich erkennbar. Aber auf «Oh Yeah!» nutzt Steve Lacy die Nostalgie als Ausgangspunkt für die Entwicklung seiner eigenen musikalischen Sprache. Er schwebt zwischen Gitarren und Synthesizern, lässt Trip-Hop auf Soul treffen, vermählt Alternative Rock mit R&B und balanciert zwischen Experimenten und Pop.
DESTIN CONRAD
Roadrunner (Destin Conrad/Empire)
Der offen queere Songwriter, Internet-Phänomen und Musiker Destin Conrad hat für sein Debütalbum «Love on Digital» (2025) eine Grammy-Nominierung in der Kategorie «Best Progressive R&B-Album» erhalten. Sein aussergewöhnliches musikalisches Talent hat Destin Conrad weiter auf dem Alternativ-Jazz-Projekt wHIMSY! gezeigt. Mit ROADRUNNER erkundet Destin Conrad neu seine jamaikanischen Wurzeln und zaubert ein persönliches Dancehall-/R&B-Album hervor. Als Features sind unter anderem kwn, Amanda Reifer und Stalk Ashley dabei, die sich in Destin Conrads neue Dancehall-/Reggae-Welt perfekt einfügen.
CHANNEL TRES
Enigma POV (Channel Tres, Alta Music Group)
Der queere US-amerikanische Rapper und Producer aus dem kalifornischen Compton wird nach einem kurzen Aufenthalt bei einem Major wieder unabhängig. Auf «Enigma POV» konzentriert sich Channel Tres wieder auf das, was er am besten kann. Mit seiner samtweichen Baritonstimme rappt er auf einer tanzbaren Soundkulisse aus basslastigem House, Funk, West-Coast-Hip-Hop und Techno. Auf «Enigma POV» gibt es keine Features, dafür haben Pharrell bzw. Take A Daytrip bei «Curious» und «Gangsta» mitproduziert.
TOM ASPAUL
Moustache (2026 1609)
Der schwule Künstler Tom Aspaul lässt sich auf seinem vierten Album «Moustache» von Sonne, Sex, schwitzenden Körpern, Synth-Pop, French House und Italo Disco inspirieren. Der Schnurrbart oder Pornobalken vom Albumtitel symbolisiert einerseits Sex und Männlichkeit, aber andererseits auch eine gewisse Verletzlichkeit hinter dem selbstsicheren Image. Mit «Moustache» fängt Tom Aspaul das Gefühl einer schwulen Sommernacht auf der Tanzfläche ein und bringt geschickt Camp, Fun und Melancholie unter einem Hut.
JONATHAN BREE
Don’t Call It Love (Lil’ Chief/Cargo)
Der Künstler aus Neuseeland behält seine geheimnisvolle Latexmaske an, zeigt auf dem Cover des neuen Albums allerdings seinen Allerwertesten. Für «Don’t Call It Love» lässt Jonathan Bree im wörtlichen und figurativen Sinn fast alle Hüllen fallen. Er entwirft einen dunklen retrofuturistischen 80s-Sound, der die Hörer*innen in eine lange Reise durch die nächtlichen Schatten und menschlichen Abgründe begleitet. Allein oder mit seinen Gesangspartnerinnen Princess Chelsea, Rachel Clarke, Adah Dylan und Bambi setzt sich Jonathan Bree mit Sexualität, Rollenspielen, Begehren und emotionaler Ambivalenz auseinander.
GRACE CUMMINGS
Bloodhorse (ATO)
Schon als Kind fühlte sich die australische Songwriterin Grace Cummings allein und unverstanden und zog sich in dunkle und prunkvolle Fantasiewelten zurück. Diesen Hang zu Bombast und Opulenz lebt Grace Cummings ebenfalls auf ihrem neuen Werk «Bloodhorse» aus. Grace Cummings Trumpf ist ihre gewaltige Stimme, mit der sie das ABC der Emotionen in Perfektion beherrscht. Auf «Bloodhorse» entfernt sich Grace Cummings von ihren folkigen Anfängen zugunsten eines intensiven und dramatischen Singersongwriter-Pop, der in seiner atmosphärischen Tiefe eine enorme Sogwirkung entfaltet und an den Barock-Pop von Rufus Wainwright erinnert.
BRUNO BERLE
Sem Fronteiras (Far Out Recordings)
Bruno Berle ist ein queerer Komponist, Dichter und Multiinstrumentalist aus Maceió an Brasiliens Nordostküste. Sein zarter Sound aus MPB (Musìca Popular Brasileira), Acoustic Soul, Bedroom-Pop und elektronischen Spielereien ist der ideale Begleiter einer Gartenparty oder einsamer Nächte am Strand. Brune Berles weiche und leise Stimme hält die Songs auf «Sem Fronteiras» zusammen, die mit ihren sanften Melodien und subtilen Arrangements eine Aura von Ruhe und Gelassenheit erzeugen und eine Brücke zwischen Tradition und Zeitgenössischem schlagen.
LIDO PIMIENTA
Caribenya (Anti/Indigo)
Lido Pimienta ist eine kolumbianische Singersongwriterin und Musikerin, die sich als queere Künstlerin versteht und in ihren Songs Themen wie Sexualität, Rassismus und Kolonisation behandelt. Ihr neues Werk «Caribenya» ist eine Abkehr von den orchestralen Arrangements des Vorgängers «La Belleza», welcher europäische klassische Musik mit Reggaeton-Elementen verwob. Der neue Albumtitel setzt sich aus den Elementen «Caribbean» und «Enya» zusammen. Im Unterschied zur berühmten irischen Musikerin driftet Lido Pimientas Sound aber nicht in New-Age- und Ambient-Gefilde ab, sondern ist stark von Tanzmusik und karibischen Rhythmen geprägt.
EBOW
Typologie eines Lebens (Garip Werkstätten)
Auf ihrem sechsten Album «Typologie eines Lebens» zementiert die Münchnerin mit kurdisch-türkischen Wurzeln ihren Status als wichtiges Sprachrohr für die LGBTQ+-Community und migrantische Gruppen. In ihrem modernen und musikalisch vielseitigen Hip-Hop schildert Ebow schonungslos und empathisch ihre persönlichen Erfahrungen mit Identität, Familie, Migration, Rassismus und gesellschaftlicher Ungleichheit. Sie rappt gegen Sexismus, Rassismus und Homophobie und setzt sich für eine offene, solidarische und gleichgestellte Gesellschaft ein. Mit nachdenklichen und cluborientierten Songs stösst Ebow gesellschaftliche Debatten an, verbreitet queere Freude und zeigt Haltung. “Butch im Tank” ist ihre neue Hymne für lesbische Selbstakzeptanz.
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MEDIUM BUILD
STEVE LACY
DESTIN CONRAD
CHANNEL TRES
TOM ASPAUL
JONATHAN BREE
GRACE CUMMINGS
BRUNO BERLE
LIDO PIMIENTA
EBOW