LGBTQ an Openairs…

…sind noch spärlicher als Frauen vertreten.

Wie in den letzten Jahren, ist euch heuer wieder die Klage zu hören, dass Frauen an den Sommerfestivals massiv untervertreten sind. Das ist leider war. Musikerinnen sind klar in der Minderheit. Die Openairs sind, wie unsere Lieblingsbloggerin Megan Eve es nennen würde, reine Sausage-Partys. Noch marginaler sind LGBTQ-Acts vertreten.

bern.lgbt hat die Programme der zahlreichen Festivals in der Schweiz durchforscht um nach Musiker*innen zu suchen, die unter dem Regenbogen tanzen. Wir haben nur ganz wenige gefunden. OK, die alte Tante Elton John war in Montreux und gab ein ausverkauftes Konzert. Doch die grossen Namen des neuen queeren Pops – wie Troye Sivan, Sam Smith, LP oder Brandi Carlile – stehen nirgendwo auf dem Programm. Ein paar coole LGBTQ-Acts haben wir doch entdeckt und sie treten alle in der Westschweiz auf!

Lizzo, Janelle Monáe und Eddy de Pretto

Das Montreux Jazz Festival ist und war schon immer ein sehr gayfriendly Festival. Das habe wir dem verstorbenen Gründer Claude Nobs zu verdanken. In diesem Jahr darf man sich auf den Auftritt von Lizzo freuen. Sie ist Rapperin, Sängerin und spielt auch noch Querflöte. Musikalisch ist sie stark von ihrem Mentor Prince geprägt. Bei Lizzo dreht sich alles um Lizzo, sie sieht sich als Gesamtkunstwerk. Mit ihrer Körperfülle setzte sie sich wuchtig gegen Body-Shaming ein und unterstützt lautstark die LGBTQ-Bewegung. Mit ihren aktuellen Songs «Juice» und «Truth Hurts» hat sie es in die Charts geschafft und sie wird von da nicht mehr wegzubringen sein. Lizzo tritt am 11. Juli im Auditorium Stravinski auf. Nach ihr wird Janelle Monáe die Bühne betreten. Die beiden Frauen kennen sich bereits. Beim Kultfestival Coachella galt ihr gemeinsamer Auftritt als Höhepunkt. Hoffen wir, dass sie auch in Montreux ein Duett singen werden. Janelle Monáe hat sich erst kürzlich im Magazin Rolling Stone als pansexuell geoutet und sagte: «Ich möchte, dass Mädchen, Jungs, Non-Binäre, schwule, heterosexuelle und queere Menschen, die es schwer haben, mit ihrer Sexualität umzugehen, die sich geächtet oder gemobbt fühlen, nur weil sie anders sind, wissen, dass ich sie sehe. Mein neues Album ist für sie. Be proud!»

Am gleichen Tag in Montreux – doch in einer anderen Location, dem Jazz Lab – tritt der französische Rapper Eddy de Pretto auf. Der rothaarige junge Mann der in den Banlieues aufwuchs, fand als Kind zur Schauspielerei Als Teenager kam er dann zur Musik. Er vermischt modernen R’n’B, wie den von Franc Ocean, mit dem Chanson eines Jaques Brel und dem wütenden Rap eines Eminem. In seinen Texten thematisiert er homophobe Gewalt und die Hypermännlichkeit, wie sie in den Banlieues weit verbreitet ist. Eddy de Pretto gilt als neues Sprachrohr der queeren Franzosen auch wenn es nicht seine Absicht ist. «Ich spreche nur über meine persönliche Geschichte um sie so weit wie möglich zu normalisieren. Es geht mir nicht darum zu sagen, dass ich der erste Queer bin der Rap mit Chanson verbindet.»

https://www.montreuxjazzfestival.com

 

Christine and the Queens, Hubert Lenoir und Polo & Pan

Héloïse Letissier, erobert als Christine and the Queens gerade die ganze Welt. Ihr Album «Chris» wurde nicht nur von den Kritiker*innen sehr gelobt, sondern von ihrem Publikum auch überaus geliebt. Das Album ist auch tatsächlich grossartig! Und sie hat alles selbst gemacht! Sie ist eine, die sich nicht dreinreden lässt und genau weiss was sie will. Mit ihrer androgynen Art ist sie zum neuen Star der LGBTQ-Community geworden. Ihre Heimat Frankreich und Grossbritannien, wo sie lange lebte, hat sie bereits für sich gewonnen. Kürzlich war sie sogar in Amerika und konnte am Finale von «RuPaul’s Drag Race» auftreten. Endliche können wir Christine and the Queens auch in der Schweiz erleben! Am Dienstag, 23. Juli spielt sie am Paleo Festival in Nyon.

Das Paleo Festival setzt wie immer auf Diversität. An keinem Festival in der Schweiz ist das Programm so bunt wie dort. Aus LGBTQ-Sicht wird der Mittwoch ein spannender Abend. Um halb Elf tritt das Männerduo Polo & Pan aus Paris auf, die mit ihrem sommerlich entspannten Elektropop bereits an mehreren Prides aufgetreten sind. Ihre Musik erinnert an andere franzöische Männerduos wie Air und Daft Punk, nur dass Polo & Pan ihren elektronische Sound mit viel Topicana und unwiderstehlichen Melodien anreichern. Das Debüt-Album «Caravelle», das bereits letzten Sommer erschienen ist, gehört auch in diesem Sommer auf jede Playlist!

Hier in Europa noch nicht so bekannt, aber eine Entdeckung wert, ist der Kanadier Hubert Lenoir. Er ist so was von queer! Der 24-Jährige ist in einer erzkonservativen Familie aufgewachsen und musst da ausbrechen. Heute pflegt er ein androgynes, herrlich provokantes und impertinentes Image. Bei ihm vermischt sich die Glam-Extravaganz eines Bowies mit der wilden Bühnenshow eines Iggy Pop. Hubert Lenoir will sich als einer der ganz grossen Pop-Glam-Künstler durchzusetzen. Im Februar ist sein Debüt «Darlène» erschienen. Das Album wurde zusammen mit dem gleichnamigen Buch veröffentlicht, das seine Managerin geschrieben hat, die gleichzeitig auch seine Freundin und Liebhaberin ist. «Ich habe im Grunde genommen über meine vergangenen fünf Jahre geschrieben: Das Leben in den Vororten, gelangweilt zu sein, mehr zu wollen, sich zu weigern, Teil von etwas zu sein und sich von der Situation in der Familie emanzipieren zu wollen. Es geht einfach darum, mehr zu wollen!» Auch mit seiner Sexualität geht er offen um: «Ich liebe es, Make-Up zu tragen. Meine sexuelle Identität hat etwas Feminines. Ich identifiziere mich nicht als binäre Person. Aber eigentlich interessiert es mich auch nicht.» (Quelle). Das sollte uns eigentlich auch nicht interessieren, denn seine Musik spricht für sich. Hubert Lenoir tritt am 24. Juli um 20 Uhr bei Paleo Festival auf.

https://yeah.paleo.ch

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