
«Das Luftschiff» ist ein fantastisches Theater zwischen Musikspieldose und Dancefloor. Eine eigensinnige Dragqueen lebt gefangen in einer Dachmansarde. Draussen tobt der Mob, auf der Jagd nach «Freaks». Einzige Rettung sind das Luftschiff und ihre Drag-Family. Nach einem Text von X Schneeberger aka X Noëme, inszeniert von Astride Schlaefli mit Michael Wolf in der Hauptrolle. Eine humorvolle und menschmal poetische Erfahrung vom Anderssein in Zeiten der Gefahr.
Die Dragqueen in der Dachmansarde
In einer engen Dachmansarde irgendwo in Metropolis sitzt eine alternde Dragqueen und lässt ihre Erinnerungen Revue passieren. Ihr ganzes Leben ist in Koffern verstaut – nicht nur, weil der Platz knapp ist, sondern auch aus akuter Wohnungsnot. Die Atmosphäre draussen ist düster und von einer apokalyptischen Stimmung durchzogen, während auf den Strassen ein aufgebrachter Mob Jagd auf sogenannte «Freaks» macht. Jegliche Fluchtwege sind versperrt; einzig die Luft bleibt als letzter Ausweg.
Mit der Zeit finden sich mehr und mehr Freund*innen in der Mansarde ein. Der Raum füllt sich mit Leben, Lachen, Gesang und geteilten Geschichten. Erinnerungen, Erzählungen, Bilder und Lieder verschmelzen und lassen die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen. Was bleibt, ist die Gewissheit der Freundschaft: Die Drag-Family wird zum schwebenden Luftschiff, das Hoffnung und Zusammenhalt inmitten der Gefahr bietet.
Für das Stück «Das Luftschiff», basierend auf einem Text von X Schneeberger, hat Astride Schlaefli gemeinsam mit ihrem Team und Michael Wolf in der Hauptrolle als exzentrische Dragqueen eine faszinierende Theatermaschine erschaffen. Zwischen Musikspieldose und Dancefloor entfaltet sich eine humorvolle und oft poetische Erfahrung des Andersseins – gerade in einer Zeit, in der Gefahr und Ausgrenzung allgegenwärtig sind.

Drag: Eine Geschichte zwischen Kunst und Widerstand
Dragqueens existieren seit jeher und in allen Kulturen, wenn auch unter verschiedenen Namen. In den vergangenen hundert Jahren hat sich das Bild und der Begriff der Dragqueen mehrfach gewandelt. Drag war und ist immer wieder Zielscheibe von politischer Hetze und gewaltsamer Verfolgung, zugleich aber auch Inspiration und Motor für Befreiungsbewegungen. Drag war stets mehr als eine blosse Kunstform.
«Das Luftschiff» präsentiert sich als trotziges Durchspielen im begehbaren Kleiderschrank einer Dragqueen. Die Dachkammer, einst Sinnbild künstlerischer Unsicherheit, verwandelt sich zum glamourösen Reich – einem fliegenden Boudoir. Kostüme werden wie Souvenirs und Erinnerungen anprobiert, es gibt musikalische Hommagen und Femmages durch die Zeiten. Niemand wird von der Rainbow-Drag-Family zurückgelassen. Es geht nie um einzelne Orte, sondern immer um die gemeinsamen Wege, die beschritten werden.
Die Luftschiff-Crew
Astride Schlaefli ist Pianistin, Komponistin und Regisseurin aus Küttigen. Sie gründete 2006 das Collectif barbare, realisiert genreübergreifende Musiktheater-Produktionen und setzt auf analoge Techniken. Für «Das Luftschiff» arbeitet sie mit einem vielfältigen Team.
X Schneeberger aka X Noëme, geboren 1976, ist Schriftsteller*in, Künstler*in und Dragqueen. X wurde für den Roman «Neon Pink & Blue» ausgezeichnet und veröffentlicht 2024 «suisseminiature», ausserdem einen Bildband 2026 mit Material aus «Das Luftschiff».
Michael Wolf, geboren 1966 in Aarau, absolvierte die Schauspiel Akademie Zürich und bespielt seit 36 Jahren als freischaffender Schauspieler die Bretter, die die Welt bedeuten. Im «Luftschiff» ist er zum ersten Mal als Dragqueen zu sehen.
«Das Luftschiff»
Eine Heimsuchung in Drag von Collectif barbare
Donnerstag, 19. März, 20.30 Uhr
Freitag, 20. März, 20.30 Uhr
Samstag, 21. März, 20.30 Uhr
Tojo Theater, Reitschule
Reservation: www.tojo.ch
Spiel: Michael Wolf
Text: X Schneeberger
Konzept/Regie/Ton/Licht: Astride Schlaefli
Stimmen: Florence Schlumberger, Sebastian Krähenbühl, Robert Torche, Freddy Kanyere
Ausstattung: Stephan Schwendimann
Maschinen: David Merz
Technische Leitung: Robert Torche
Produktionsassistenz: Florence Schlumberger
Fotos: Fabrice Nobs
Dauer: 85 Minuten
Sprache: Deutsch
Ab 16 Jahren.