Im Einsatz für die queere Community

Im Chat mit Kurt Hofmann

Bereits seit ein paar Jahren ist im Vorstand von «hab queer bern» Kurt Hofmann für das Ressort «Treffpunkte» zuständig. Somit ist er nicht nur Gastgeber für die Mittwochabende in der Villa Bernau, sondern auch Organisator von verschiedensten geselligen und spannenden Anlässen. Daniel Frey hat mit ihm gechattet.

Das Jahr 2024 ist erst ein paar Wochen alt. Wie geht es dir an der Schwelle zum neuen Jahr?
Ich hoffe gesund zu bleiben und vermehrt auch auf mich und meine Bedürfnisse zu schauen, die ich in den letzten Jahren vernachlässigt habe.

Bevor wir einen Ausblick wagen, noch ein kurzer Rückblick. Welches war für dich persönlich der tollste queere Anlass im vergangenen Jahr?
Das grosse Highlight im letzten Jahr waren sicher die EuroGames und die BernPride. Ich war dort mit viel Herzblut und Engagement dabei. Leider war ich gesundheitlich angeschlagen, und wohl deshalb empfand ich die Betreuung unseres Standes im Village auf dem Münsterplatz während der EuroGames und auf dem Bundesplatz während der BernPride als ziemlich aufwändig.
Stolz bin ich auf die Realisierung des Stadtrundganges «Queer durch Bern – Eine Zeitreise gegen den Strom» vom Verein StattLand, der auf meine Initiative hin zustande kam. Falls du bisher diesen empfehlenswerten Stadtrundgang verpasst hast: Er wird auch 2024 durchgeführt.

Sicher hast du schon ein paar spannende Anlässe für das neue Jahr geplant. Auf was freust du dich?
Besonders freue ich mich auf den queeren Gottesdienst, der Ende April bereits zum zweiten Mal in der Heiliggeistkirche stattfinden wird – und ebenfalls auf meine Inititative hin entstanden ist.
Und während dem Kulturmonat «Warmer Mai» findet im Rahmen eines 3gang-Abends ein Feierabendkonzert mit Pianist Michal Orgasinski statt.

2024 ist für hab queer bern bereits das 54. Geschäftsjahr. In welche Richtung sollte sich und kann sich unser Verein in den nächsten Jahren entwickeln?
Unser Verein muss jünger, aufmüpfiger werden und sich der Zeit anpassen. Wir müssen uns von veralteten Mustern lösen. Die grösste Knacknuss wird dabei sicher sein, wie wir die über 30-jährigen Queers – die Generation, die für die Milchjugend zu alt ist – abholen und für hab queer bern begeistern können. Wo liegen deren Bedürfnisse, was sind deren Interessen?

Was ist eigentlich deine Motivation, dich so intensiv für hab queer bern zu engagieren?
Als ich geboren wurde, galt Homosexualität, notabene noch bis 1990, als Krankheit, Störung oder Perversion. Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof in einem Weiler im Aargau – halt sehr konservativ. Bereits im Kindergarten merkte ich, dass «etwas mit mir nicht stimmt», dass ich mich zu Jungs hingezogen fühlte. Doch das Thema war tabu.
Meine erste Berührung mit anderen Schwulen hatte ich mit 18 auf einer Klappe im Zürcher Hauptbahnhof, und ich rutschte langsam in die Gayszene, die damals noch sehr klein war. Ich fühlte mich alleine und konnte mit niemanden in meiner Familie darüber reden. Ich fing an «Gleichgesinnte» zu suchen, besuchte erstmals in Bern den Ursus Club an der Junkerngasse und erstmals das Kafistübli der HAB an der Brunngasse. Es war damals für mich, wie es das klassische Klischee beschreibt: Zuerst heranschleichen, zuerst mal von der anderen Strassenseite her schauen, wer da reingeht. Und wenn die Luft rein war, mich niemand sah, schnell ins Lokal reingehen.
Der Weg zu mir selbst gab mir schlussendlich die Motivation, mich für die Community zu engagieren und mich für unsere Sache einzusetzen. Heute ist vieles im Vergleich zu damals selbstverständlicher geworden. Niemand sollte jemals wieder das Gefühl haben, dass «etwas mit ihm nicht stimmt», wie ich das hatte. Dabei bin ich überzeugt, dass wir bei unseren Engagements für uns und unsere Community nicht müde werden dürfen.

Die Fragen stellte Daniel Frey

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