
DJ Coreys MusikTipps Dezember 2025
Madonna, Amanda Lear, Austra, Allie X., Rufus Wainwright, Orville Peck, Medium Build, Venerus, Pablo Alboràn, P.R2B, Boah Robin!
Madonna erzählt neue Bettgeschichten. Amanda Lear blickt zurück. Austra macht Schluss mit der Ex. Das Nineties Revival von Allie X. Rufus Wainwright macht Kurt Weill. Queer Country mit Orville Peck und Medium Build. Queer Pop aus Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland mit Venerus, Pablo Alboràn, P.R2B und Boah Robin!.
MADONNA
Bedtime Stories – The Untold Chapter (Warner Records)
Madonna ist wieder zu Warner Records zurückgekehrt, die Plattenfirma, die sie zum globalen Superstar gemacht hat. Für 2026 hat Madge die Fortsetzung ihres beliebten Dance-Albums «Confessions On A Dancefloor» angekündigt. Die Wartezeit ihrer Fans verkürzt Madonna mit unveröffentlichtem Material. Auf «Veronica Electronica», dem Schwesteralbum zu «Ray Of Light», folgt nun «The Untold Chapter», dem kleineren Bruder von «Bedtime Stories» von 1994. Mit «Bedtime Stories» verabschiedete sich Madonna von ihrer provokanten und sexbesessenen «Erotica»-Periode, um sich einem sanften und eleganten R&B-Sound zuzuwenden. Mit «Secret», «Take A Bow» und «Human Nature» landete sie wieder grosse Hits und versöhnte sich mit dem puritanischen amerikanischen Publikum. «The Untold Chapter» ist eine überraschend schöne Ergänzung zu Madonnas R&B-Phase. Nicht nur ein Fall für Komplettist/innen.
AMANDA LEAR
Looking Back (BoomLover)
Was für ein erfülltes Leben! Muse von Salvador Dali, 60er Überlebende, 70er-Disco-Queen, Model, Gay-Ikone, Komödiantin, Fernsehmoderatorin, Film- und Theaterschauspielerin, Malerin. Amanda Lear ist heuriges Jahr 79 geworden. Ihre Karriere hat sie auf ihrem androgynen Image, ihrer Grabesstimme und ihrem Sinn für Ironie aufgebaut. Die Frage, ob sie als Mann oder Frau geboren sei, bleibt auch heute immer noch ein Geheimnis oder ein Enigma, wie einer ihrer Disco-Songs und sogar eine HBO-Doku so schön heissen. Auf ihrem 23. Album «Looking Back» mit dem selbst bemalten Coverbild zieht Amanda Lear, in Englisch und Französisch, Bilanz über ihre vergangenen Liebschaften. Es ist kein triumphierender Vamp mehr, dem Männer zu Füssen liegen, sondern eine eher melancholische und nostalgische Amanda Lear, die hier auf einem dezenten Lounge-Disco-Chanson-Soundteppich schwebt.
AUSTRA
Chin Up Buttercup (Domino)
Die Kanadierin Katie Stelmanis nutzt als künstlerisches Pseudonym den Namen der lettischen Göttin des Lichts. Kein Wunder, wenn sie ihre schmutzige Wäsche vor den Augen der Öffentlichkeit wäscht. Auf ihrem fünften Album «Chin Up Buttercup» verabschiedet sich Austra von ihrer untreuen Ex, tanzt ihren Trennungsschmerz weg und wagt einen Neuanfang. Der Tanzboden ersetzt das Psycho-Sofa. Die frei erfundene Kunstfigur Buttercup dient Austra, die nötige Distanz zu ihrer persönlichen Situation zu wahren. Austras einzigartige Opernstimme bewegt sich in einem Klanguniversum, das melancholischen New Wave, euphorisierenden Electro-Pop und clubtaugliche Dance-Tracks in zehn bekömmlichen Portionen serviert.
ALLIE X
Happiness Is Going To Get You (Allie X Music LLC)
Allie X, die kanadische Sängerin, Songwriterin, visuelle Künstlerin und LGBTQ+-Ally, ist 2024 mit ihrem Album «Girl With No Face» und ihrem knalligen Goth-Pop-Sound im Stil der führen 80er Jahre bekannt geworden. Auf ihrem vierten Werk «Happiness Is Going To Get You» bündelt Allie X ihren Goth-Pop mit Kammer-Pop und dem Sound der 90er Jahre. Einflüsse aus Brit-Pop, R&B, Trip-Hop und Big Beat manifestieren sich von subtil bis offensichtlich. „I Hope You Hear This Song“ ist wahrscheinlich das krasseste Beispiel dafür, da es gegen Schluss in „Bittersweet Symphony“ von The Verve übergeht. Beim düsteren „It’s Just Light“ sickert „Teardrop“ von Massive Attack langsam durch. Und die vorab veröffentlichte Single „Reunite“ zitiert im Hintergrund die Melodie von Janet Jacksons „Together Again“. Allie Xs neues Album ist also ein regelrechtes Fest für alle Musik-Nerds.
RUFUS WAINWRIGHT
I’m A Stranger Here Myself – Wainwright Does Weill (Thirty Tigers/Membran)
Im Juni 2006 spielte Rufus Wainwright das berühmte Konzert von Judy Garland vom 23. April 1961 in der New Yorker Carnegie Hall nach. Das bezeichnet er als den schwulsten Moment seines Lebens. «I’m A Stranger Here Myself – Wainwright Does Weill» ist ein Mitschnitt des Konzerts vom 2. März 2024 mit der 40-köpfigen Pacific Jazz Orchestra im United Theater on Broadway in Los Angeles. Darin würdigt der schwule Singersongwriter den Komponisten Kurt Weill, von dessen Weimarer-Republik-Phase bis zu dessen Exil in die USA. Wainwright und Weill verbindet eine grosse emotionale Nähe. Der kanadische Dandy brilliert als vielseitiger Crooner, der mit seiner markanten Stimme und unverwechselbarer Theatralik zwischen einfühlsamen Balladen, Klassik, Jazz und Kabarettstücken jongliert. Das Bonusstück, eine hoch dramatische Studio-Version von «Lost In The Stars» mit dem niederländischen Metropole Orkest, setzt dem Live-Album die Krone auf.
ORVILLE PECK
Appaloosa (Warner Records Inc.)
Die Sterne meinen es gut mit dem schwulen maskierten Country-Sänger. Sein erstes Album für Warner «Stampede» wurde gut aufgenommen, die Begleit-Tour dazu war ein Erfolg und sein Broadway-Debüt mit «Cabaret» wurde von Kritik und Publikum hoch gelobt. Bevor Orville Peck 2026 sein Debüt als Film-Schauspieler im Remake des camp Klassikers «Street Fighter» gibt, schenkt er seinen Musik-Fans die EP «Appaloosa». Die mehr als solide Song-Kollektion unterstreicht einmal mehr Orville Pecks Markenzeichen: Seine Fähigkeit, mit theatralischer Art authentische Wild-West-Romantik und -Melancholie heraufzubeschwören. Höhepunkte von «Appaloosa» sind die Single «Drift Away» und eine countryfizierte Version von «Maybe This Time» aus dem Musical «Cabaret».
MEDIUM BUILD
Takeaways (Medium Build, LLC/Island)
Mit dem äusserst intimen und emotionalen Album «Country» von 2024 hat sich Medium Build, das Solo-Projekt des Singersongwriters Nick Carpenter, als die grosse queere Hoffnung des Confessional Country etabliert. Auf der EP «Takeaways» vereint Medium Build neben Neubearbeitungen von fünf Stücken aus seinem bisherigen Schaffen auch die zwei neuen Tracks «Balance» und «Ben Affleck». In «Balance» erzählt er, wie seine Alkoholsucht und das Partyleben sein Leben aus dem Gleichgewicht gebracht haben und wie er die Ruhe im Chaos zu finden versucht. In «Ben Affleck» beschreibt er das Gefühl von Verzweiflung und Verlassenheit, das auf Paparazzi-Bildern mit dem traurigen und rauchenden Schauspieler Ben Affleck aufgefangen wird.
VENERUS
Speriamo (EMI)
Nach Lucio Corsi erobert ein weiterer Outsider die italienische Pop-Welt. Trotz seiner Bezüge zu den früheren Cantautori sitzt der queere Venerus auf «Speriamo» zwischen vielen musikalischen Stühlen, wie wenn er sich einer eindeutigen Klassifizierung entziehen wollte. Auf dem leisen Stück «Felini» mit Gast Marco Castello pflegt Venerus seine Ader als poetischer Liedermacher. Auf «Stazione Bovisa» und «Sesso» teilt Venerus seine Leidenschaft für den Dancefloor. „Un giorno con te” (featuring Gemitaiz), „Cool” (mit MACE, Side Baby, Mahmood und Jake La Furia) und «Ti penso» offenbaren den urbanen und rappenden Venerus, während „Impossibile” und das Duett mit Angelina Mango „Sentire” für die poppige und melancholisch-sanfte Seite von Venerus stehen.
PABLO ALBORÀN
KMO (Warner Music Spain)
Pablo Alboràn ist Spaniens erfolgreichster offen schwuler Pop-Sänger. Sein Coming-Out hat seiner Karriere also nicht geschadet. Auf seinem siebten Album „KMO“ versammelt Alboràn eine breitgefächerte Palette an Stilrichtungen. Auch wenn seine typischen Edelkitschballaden den Löwenanteil ausmachen, experimentiert er gerne mit Flamenco, Afrobeat, Salsa, Merengue, Country und sogar Electro und Rap. Seine Gesangsqualitäten sind nach wie vor überragend. In seinen Texten konzentriert sich Alboràn primär auf Liebeskummer, er hinterfragt neu sein Verhältnis zu Ruhm und verarbeitet die Erfahrung eines nahen Verwandten mit Leukämie. Dieser schwierige Moment hat den epischen Song „Planta 7” inspiriert, eine Zusammenarbeit mit dem Flamencogitarristen Vicente Amigo, vielleicht das beste Stück des Albums, zusammen mit der dramatischen Nummer «Mis 36»
P.R2B
Presque Punk (The Break Music)
Für ihr zweites Album «Presque Punk» ist Pauline Rambeau de Baralon alias P.R2B ins Exil in die rauen Berge der Cevennen gegangen. P.R2B kleidet ihre politischen und poetischen Texte in ein faszinierendes Gewand aus Chanson, Rap, Rave und Eurodance. Die queere Künstlerin und ehemalige Studentin der Filmhochschule La Fémis kennt die grossen Ängste unserer Zeit, wie Klimawandel, soziale Netzwerke, Scheiss-Jobs und Gewalt. In einer Welt, die immer mehr zur Selbstzerstörung tendiert, verwandelt P.R2B ihre anfängliche Wut in positive Energie. Auf „Presque Punk“ nimmt ihr persönliches und musikalisches Engagement verschiedene Formen an, mal radikal mal intim, mal rebellisch mal romantisch.
BOAH ROBIN!
Animal Rationale (the invention of love recordings)
Das Deutschrock-Duo BOAH ROBIN!, bestehend aus dem Sänger/Texter Robin-Fabian Bovensiepen und dem Komponisten/Instrumentalisten Florian Tobias Krämer, ist seit 2023 in der deutschsprachigen LGBTQIA+ Community gut verankert. Auf dem dritten Studioalbum «ANIMAL RATIONALE» springt BOAH ROBIN! mit gewohnter Leichtigkeit von Stil zu Stil und bringt Pop, Rock, Indie, Alternative, NDW, Klavierballaden und elektronische Tanzmusik unter einen Hut. In ihren einfühlsamen wie auch witzigen Texten über mentale Gesundheit, Zwischenmenschlichkeit, Liebe, Politik und queere Lebenssituationen richtet sich BOAH ROBIN! insbesondere an diejenigen Menschen, die sich wie die Mängelexemplare einer Gesellschaft fühlen und zeigt ihnen, dass sie nicht allein sind.
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Playlist

Die Musiktipps von DJ Corey immer am 1. Sonntag im Monat im QueerUp Radio auf Radio RaBe
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MADONNA
AMANDA LEAR
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