
DJ Coreys MusikTipps April 2026
Robyn, Harry Styles, Morrissey, Marlon Magnee, Roselle, Ladytron, Slayyyter, Haute & Freddy, AYGYUL, Siovo, Anjimile, Arlo Parks
Robyns Dance-Pop für geile Stunden. Die bittersüsse After-Party von Harry Styles. Big Mouth Morrissey schlägt wieder zu. Marlon Magnée von La Femme geht solo. Queerer Unterwasser-Pop mit Roselle. Das Major-Debüt von Slayyyter. Das Queer-Pop-Duo der Stunde: Haute & Freddy. Der Balearic Noir von Ladytron. Engagierter Queer Pop aus Wien und Berlin: AYGYUL und SIAVO. Die musikalische und persönliche Transformation von ANJIMILE und Arlo Parks.
ROBYN
Sexistential (Konichiwa/Young)
Robin Miriam Carlsson aka Robyn ist seit ihrem Debüt «Robyn Is Here» von 1997 im Pop-Geschäft. Mit ihrem Euro-Teenager-Pop und ihrem Produzent Max Martin ebnete sie Britney Spears und den Backstreet Boys den Weg in die globalen Charts. Seit der Gründung ihres eigenen Labels im Jahr 2005 und der EP-Trilogie «Body Talk» von 2010 ist Robyn die Fachspezialistin für verletzliche Club-Bangers mit empowernden Lyrics. Mit dem neuen Opus «Sexistential» öffnet sich Robyn einer Welt der Sinnlichkeit und sexuellen Freizügigkeit, auch wenn sie auf die 50 zugeht und durch künstliche Befruchtung Mutter eines Kinds geworden ist, das sie allein erzieht. Mit ihrem langjährigen Kreativpartner Klas Ahlund und nochmals mit Pop-Titan Max Martin beweist Robyn, dass Sexualität, Selbstbestimmung und andere existentielle Fragen ihre Daseinsberechtigung auf dem Dancefloor haben.
HARRY STYLES
Kiss All The Time. Disco, Occasionally (Columbia Records)
Nach Abschluss der erfolgreichen «Love On Tour» im Juli 2023 hat sich der Ex-One-Direction eine Auszeit genommen und viel Zeit in Rom verbracht. In der italienischen Hauptstadt hat der britische Pop-Star nicht nur die Dolce Vita genossen, sondern vor allem die Kunst der Entschleunigung gelernt. Auf «Kiss All The Time. Disco, Occasionally» überträgt Harry Styles dieses Konzept auf seinen Sound. Auch wenn das Album in Berlin entstanden ist, ist darauf nicht viel von der Berghain-Atmosphäre zu spüren. Vielmehr entführt Harry Styles in eine kosmische Galaxie, die sich wie einer fluiden After-Party zwischen Pop, Rock, French House, Funk und Jazz anfühlt. Die Platte markiert ein neues Kapitel voller kreativer Freiheit und emotionaler Tiefe und schafft den Spagat zwischen Experiment und Zugänglichkeit.
MORRISSEY
Make-Up Is A Lie (Warner)
Steven Patrick Morrissey, heute 66 Jahre alt, ist mit «The Smiths» und seiner Mischung aus Sehnsucht, schwarzem Humor und Grössenwahn die absolute Indierock-Ikone der Achtziger. Sein 16. Solo-Album «Make-Up Is A Lie» kann leider den Widerspruch zwischen dem melancholischen Poeten von damals und dem Wutbürger von heute nicht lösen, sondern verkompliziert die Beziehung zu ihm. In erhabenen Momenten lebt der einstige Zauber wieder auf und die Kraft der Verbindung zwischen dieser fantastischen Stimme, den poetischen Lyrics und den bittersüssen Melodien bleibt noch intakt. In anderen Momenten, wenn er in den Sumpf von populistischen Parolen und Verschwörungstheorien abdriftet und musikalisch banal wird, lässt Morrissey seine Fans aber ratlos und resigniert zurück. Wie gesagt, es ist eine schwierige Beziehung. Dabei möchte er nur geliebt werden.
MARLON MAGNÉE
Dark Star (Disque Pointu/Idol)
Nach fünfzehn Jahren im Studio und auf Tour mit der Indie-Band La Femme startet Mitbegründer Marlon Magnée nun eine Solokarriere. Auf seinem Debütalbum «Dark Star» wechselt der Franzose vom Französischen ins Englische und kombiniert die rohe Energie von Rockabilly und Punk mit Cold Wave und Psychobilly. Sowohl in seinen Texten als auch in seinem androgynen Look mit platinblondem Haar, einer Mischung zwischen Jean-Paul Gaultier und Plastic Bertrand, bricht Marlon Magnée bewusst mit maskulinen Stereotypen. In «People Are Afraid» thematisiert er die Angst vor der Abweichung von gängigen Rollenmustern. Im Unterschied zur coolen Distanziertheit von La Femme zelebriert Marlon Magnée als Solokünstler offen queere Ästhetik und Begehren. Für ihn bedeutet «Dark Star» einen klaren Befreiungsschlag.
ROSELLE
Eau Salée (LABE)
Rosalie Roberge alias Roselle ist eine junge Künstlerin aus Quebec, die stark in der dortigen LGBTQI-Szene verankert ist. Auf ihrem zweiten Studioalbum «Eau Salée» (Salzwasser) befasst sich Roselle mit der Komplexität der heutigen Gefühlswelt und beweist, dass sich zu nachdenklichen Themen wie Intimität, Verletzlichkeit und queerem Stolz wunderbar tanzen lässt. Im Video zum Titeltrack wird eine Welt gezeigt, in der sich Frauen gegenseitig unterstützen und die Grenzen zwischen Freundschaft und Zärtlichkeit fliessend sind. Das Salzwasser schafft einen «Safe Space» für weibliche Schwesternschaft und versetzt die Frauen in einen Zustand zwischen Angst und Ekstase.
SLAYYYTER
WOR$T GIRL IN AMERICA (Columbia Records)
In diesen unsicheren Zeiten ist der glitzernde und teils aggressive Hyperpop- bzw. Bubblebum-Pop von Slayyyter echter Balsam für Bein und Ohr. Auf ihrem Major-Debüt «Worst Girl in America» peppt die bisexuelle Künstlerin das Popstar-Image der frühen 2000er Jahre auf und verleiht der Ära von Britney Spears, Christina Aguilera und Paris Hilton & Co. einen futuristischen Touch und eine richtige Portion Dreck. Im Vergleich zu den damaligen Stars verfügt Slayyyter über ein loses Mundwerk, weshalb ihre Texte deutlich sex-explizit sind. Mit «Worst Girl in America» schafft Slayyyter den Sprung vom Internet-Phänomen zum Major-Popstar, ohne ihre Direktheit und Rotzigkeit aufgeben zu müssen. Slayyyter beschreibt das Projekt als «I-Pod-Musik» und verarbeitet darin ihre Einflüsse aus Pop, Punk, Electro und Rap.
HAUTE & FREDDY
Big Disgrace (Runaway Carnie Co LLC)
Das aus Los Angeles stammende Duo Haute & Freddy ist das queere flamboyante Projekt von Michelle Buzz und Lance Shipp. Ihr Debütalbum «Big Disgrace» öffnet das Tor zu ihrer kunterbunten Pop-Welt, die theatralische Exzesse, Barock, Camp, queere Subkultur und Synthie-Orgien unter einen Hut bringt. Haute & Freddy verstehen sich als die bescheidenen Hofnarren eines königlichen Hofstaats (damit sind ihre Fans gemeint). Früher haben Haute & Freddy Hits für Stars wie Britney, Kylie oder Katy Perry geschrieben. Jetzt haben sie das Potential, in deren Fussstapfen zu treten. Wer bereits ein Faible für Chappell Roan, Last Dinner Party, Mika und Lady Gaga hat, wird Haute & Freddy wohl kaum widerstehen können.
LADYTRON
Paradises (Nettwerk)
Die zum Trio geschrumpfte Band Ladytron aus Liverpool avancierte Anfang der Nullerjahre zu einer der grossen Electroclash-Exponenten/innen. Später entwickelte sich Ladytron langsam aber sicher in Richtung Darkwave. Auf ihrem mittlerweile achten Album „Paradises“ nimmt uns Ladytron in die nebeligen Paradiese der Nacht mit. Dort, wo der Tod lauert, das Blut fliesst und die dunklere Seite der Liebe wohnt. Aber ihr düsterer Electro-Pop verwandelt sich in einen neuen Signature-Sound, den Ladytron stolz Balearic Noir bezeichnet. Das heisst, tanzbare Chillout-Musik für angehende Hexen und Dämonen.
AYGYUL
God’s Daughter (AYGYUL)
Aygyul (she/they) ist eine unabhängige Sängerin, Musikerin und Produzentin, die seit ihrer Flucht aus Russland im Jahr 2012 in Wien lebt. Ihr Sound changiert zwischen Dance, Elektronik und Future Pop. Gemeinsam mit ihrer Partnerin, der Dichterin und Strassenkünstlerin Pati Avish, die sämtliche Songtexte schreibt, kreiert Aygyul grandiose Melodien mit universellen Botschaften. In ihrer neuen kraftvollen, leicht orientalisch angehauchten Elektro-Pop Single «God’s Daughter» singt sie darüber, wie Frauen, queere Menschen und ethnische Minderheiten nach Jahren der Unterdrückung endlich die Kontrolle über ihr Leben übernehmen. Das ist ein sackstarker Song, der wie ein sanfter und friedlicher Akt des Widerstands klingt.
SIOVO
Für immer: Babyboy (SIOVO)
Mit über 10 Millionen Spotify-Streams gilt SIOVO als einer der erfolgreichsten queeren Musiker/innen Deutschlands. 2024 hat der Wahlberliner bei einem Plattenmulti seine Debüt-EP « Kauft dem Jungen Blumen » herausgebracht. Vor allem die Single « Backseat Bromance » entwickelte sich zum Radio-Hit. Auf seinem Debütalbum « Für immer: Babyboy », das als Indipendent-Release erscheint, vertont SIOVO 13 queere Grossstadtgeschichten. die mal auf den Tanzboden, mal zum Chillen oder Nachdenken einladen. Er thematisiert insbesondere die Hindernisse und Herausforderungen queerer Beziehungen in Metropolen wie Berlin, namentlich die große Auswahl an potenziellen Partner und die Tücken der Unverbindlichkeit.
ANJIMILE
You’re Free To Go (4AD)
Auch auf seinem dritten Album «You’re Free to Go» setzt Anjimile seine Auseinandersetzung mit Identität, Selbstbestimmung und Erfahrungen als schwarze Trans-Person weiter. In den vergangenen Jahren erlebte der Musiker aus Boston eine Zeit des Umbruchs, die von Trennungen und neuen Beziehungen gekennzeichnet war und in welcher er wieder Vertrauen in das eigene Leben gewinnen konnte. Dabei liess er neue Formen der Bindung und Zuneigung zu. Sein sanfter und warmer Sound zwischen dem Alternative-Pop der späten 1990er-Jahre und zeitgenössischem Folk erlaubt es Anjimile, seine inneren Befindlichkeiten sehr authentisch auszudrücken, aber stets eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren.
ARLO PARKS
Ambigous Desire (Transgressive)
Mit ihrem Debüt «Collapsed In Sunbeams» und dem Nachfolger «My Soft Machine» wurde Arlo Parks zu einer der prägendsten queeren Stimmen des britischen Singersongwriter/innen-Pop. Das dritte Album «Ambigous Desire» ist der Beginn einer persönlichen und musikalischen Transformation. Arlo Parks lässt Rhythmus, Elektronik und Bewegung in ihren Sound ein. Sie paart klassischen und sensiblen Confessional Pop mit blubbernden Bässen und kopfnickenden Beats. Das Eintauchen in die Clubkultur von New York, ihrer neuen Wahlheimat, hat ihre kreative Entwicklung deutlich unterstützt. Arlo Parks erkundet die Magie einer Nacht im Club und akzeptiert das Begehren als ambivalente Kraft, die sowohl antreibt, aber auch zerstören kann.
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Playlist

Die Musiktipps von DJ Corey immer am 1. Sonntag im Monat im QueerUp Radio auf Radio RaBe
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