DJ Coreys MusikTipps Februar 2026

Mika, Agnes, Sébastien Tellier, Sam Quealy, Madison Beer, Ella Red, Labrinth, Cavetown, Beverly-Glenn-Copeland, Veronica Fusaro, Yin Yin

MIKAs bunte neue Pop-Welt. Schön verrückt: die Schweden-Pop-Ikone AGNES. Die Rückkehr der French-Touch-Legende SÉBASTIEN TELLIER. Von der Ballroom-Szene zur Synthie-Pop-Sängerin: SAM QUEALY. Dunkle Pop-Prinzessinnen: MADISON BEER und ELLA RED. Die bombastische Pop-Oper von LABRINTH. Die Trans-Acts des Monats: CAVETOWN und BEVERLY-GLENN-COPELAND. VERONICA FUSARO: die Schweizer ESC-Kandidatin mit einem Live-Album. Der psychedelische Disco-Sound von YIN YIN.


MIKA

Hyperlove (Michael Penniman, Republic Records)

Ein offen schwuler Queer-Pop-Held der Nuller-Jahre meldet sich mit seinem ersten englischsprachigen Album seit 2019 zurück. Fans der ersten Stunde mögen sich bestimmt an MIKAs operntaugliche Falsett-Stimme und oft überdrehten Bubblegum-Pop und selbstverständlich auch an seine grossen Hits «Grace Kelly» und «Relax, Take It Easy» erinnern. Auf «Hyperlove» treten MIKAs Markenzeichen eher in den Hintergrund zurück und werden durch einen subtilen und eleganten Indie-Pop-Touch abgelöst. Mit dem Produzent Nick Littlemore von Empire Of The Sun zimmert MIKA ein schickes Pop-Bonbon nach dem anderen. Auf «Hyperlove» streckt MIKA den Mittelfinger gegen alle Haters und setzt deren Hass positive Pop-Energie entgegen.


AGNES

Beautiful Madness (Polydor Sweden/Senga/Universal)

2005, im zarten Alter von 16, gewann Agnes bei der schwedischen Castingshow „Idol“, und 2009 gelang ihr mit dem Riesen-Hit „Release Me der internationale Durchbruch. 17 Jahre später und nach dem spirituellen Disco-Album „Magic Still Exists“ von 2021 erfindet sich die schwedische Sängerin und LGBTQI-Ally nochmals neu. Auf „Beautiful Madness“ umarmt Agnes die Schönheit der Kontraste: Mensch-Maschine, Angst-Mut, Licht-Dunkelheit. Sie führt ihren vorwiegend farbenfrohen Disco-Pop-Sound mehr in Richtung House Noir, Clubs und Techno. Die musikalische Transformation passt zur düsteren, futuristischen Cyber-Ästhetik in den Videos und den Promo-Bildern. Die House-Gospel-Nummer „Lovesongs“, eine Hymne über die Stärke, auf eigenen Beinen zu stehen, gehört zu den Album-Highlights.


SÉBASTIEN TELLIER

Kiss The Beast (Because Music & Horizons)

Sein Elektropop-Chanson «Divine», co-produziert von einer Daft-Punk-Hälfte, floppte zwar gewaltig am ESC 2008, setzte aber dafür den Markstein für seine Entwicklung zu einer der prägendsten Kult-Figuren der French Touch. 18 Jahre später hat Sébastien Tellier nichts an Witz, Stil, Charme und Kitsch eingebüsst. Der stark behaarte und leicht tollpatschige Dandy mit Sonnenbrille findet eine perfekte Balance zwischen tanzbaren Vintage-Disco-French-Touch-Stücken und autobiografischen romantischen Balladen. Diese Ambivalenz spiegelt sich bereits im Album-Titel «Kiss The Beast» und natürlich auch in der Gästeliste wider, die mit Owen Palletts Streicherarrangements und Nile Rodgers’ Disco-Funk-Gitarre aufwartet.


SAM QUEALY

Jawbreaker (Music &Craft/Idol)

Sam Quealy hat vor langer Zeit ihre australische Heimat verlassen und sich in Paris niederlassen. In der Ville Lumières hat sie sich einen Namen nicht nur in der Ballroom-Szene, im legendären «House of Comme des Garçons», gemacht, sondern auch als Kuratorin ihrer eigenen Ausstellung. Und dank der Nähe zur Kultband La Femme fand Sam Quealy schnell den Zugang zur Musik. Auf «Jawbreaker» feiert Sam Quealy eine Club-Nacht mit viel Camp, Spass und Hedonismus. Dabei orientiert sie sich stark an dem gotischen Synthie-Pop ihrer Heimatkollegin Allie X, dem pulsierenden Hi-NRG-Sound von Divine oder den Neonlichtern von Visages „Fade to Grey“.


MADISON BEER

locket (Epic Records/Sing It Loud)

Als Teenie wurde Madison Beer 2012 von Justin Bieber entdeckt, aber schon kurz darauf, wegen eines Skandals um geleakte Nacktfotos, die ein Ex von ihr ins Netz gestellt hatte, wie eine heisse Kartoffel fallengelassen. Inzwischen hat sich Madison Beer selbst aufgefangen und kann wie Phönix aus der Asche aufstiegen, u.a. mit Hilfe ihrer Fans und dank der Unterstützung von RuPaul’s Secret Celebrity Drag Race. Auf ihrem dritten Album «locket» ist Madison Beer endlich bei sich angekommen. Das Medaillon im Albumtitel steht als Metapher für die Erinnerungen, Narben und Verletzungen, die wir in uns tragen. Die elf Songs variieren zwischen tanzbaren Tracks wie „Yes Baby“ und „Make You Mine“ und melancholischen R&B-Nummern wie „Angel Wings“. Ihre zuverlässige Sopran-Stimme ist das Kirschlein auf der Torte.


ELLA RED

It’s Not Real (Nettwerk/Bertus)

Die 22-jährige Ella Red stammt aus Dallas, Texas und möchte nach einem erfolgreichen Start als Internet-Persönlichkeit nun als Pop-Sängerin die Welt erobern. In ihrem Eifer, auf vielen musikalischen Hochzeiten zu tanzen und auf der Tanzfläche und im Balladenfach zu reüssieren, lässt sich Ella Red so einfach nicht bremsen und wirkt wie eine widerspenstige Katze. Ihre Vorbilder reichen von Billie Eilish, Olivia Rodrigo über Lana Del Rey bis Britney Spears und Lady Gaga. Ella Red liebt das Spiel mit den Extremen und den Hang zum Gruseligen und Morbiden. «It’s Not Real» wäre der perfekte Soundtrack zur nächsten «Wednesday»-Staffel gewesen. An Talent mangelt es Ella Red nicht und dank ihrer unbändigen Leidenschaft wird sie schon bald ihren eigenen Stil und musikalische Identität finden.


LABRINTH

Cosmic Opera Act I (Columbia/Sony)

Der 1989 in London geborene Timothy Lee McKenzie alias Labrinth ist wie eine Art König Mida der Pop-Musikszene. Als Produzent für u.a. Rihanna, The Weeknd, Beyoncé und Sam Smith hat er viele Songs in Gold und sogar Platin verwandelt. Seine sogenannte Pièce de Résistance bleibt allerdings der Soundtrack zur queeren HBO-Serie «Euphoria» von 2019. Mit «Cosmic Opera Act I» schafft Labrinth den Spagat zwischen Mainstream und Experiment, zwischen Pop und Klassik. Auf einem Zyklus von 12 Songs kämpft der gesichtslose Künstler gegen seine inneren Dämonen. Um seine krassen Stimmungsschwankungen musikalisch umzusetzen, bedient sich Labrinth einer umso markanteren Stilpalette aus R&B, Soul, Gospel, Rap, Trap, Dubstep, Elektronik und Oper. Mit «Cosmic Opera Act I» kreiert Labrinth einen pompösen und künstlerischer ADHS-Sound für die Massen.


CAVETOWN

Running With Scissors (Futures)

Der Trans-Mensch Robin Daniel Skinner alias Cavetown wurde in den 2010er-Jahren mit seinen Ukulelen-Balladen zum You-Tube-Phänomen. Auf seinem neuen Album «Running With Scissors» entfernt sich Cavetown leicht von seinem introspektiven Sound und öffnet sich auch für andere Musikstile wie Dream-Pop, Indie-Pop und -Rock. In einer atmosphärischen Kulisse mit viel Hall, Verzerrung und anderen Effekten entfalten sich Cavetowns melodiöse Songs mit intimen und persönlichen Texten, insbesondere über seine queere Identität in einer heteronormativen Welt.


BEVERLY GLENN-COPELAND

Laughter In Summer (Transgressive)

Der Transgender- und Jazz-Folk-New-Age-Pionier Beverly Glenn-Copeland hat sein neues Album „Laughter In Summer“ zusammen mit seiner Frau, der Theaterschauspielerin und Produzentin Elizabeth Copeland, aufgenommen. Kurz vor den Studioaufnahmen wurde der 81-jährige Künstler mit Demenz diagnostiziert. Das Liederalbum «Laughter In Summer» ist eine Liebeserklärung an das Leben, ohne Pathos, ohne Druck auf die Tränendrüsen. Das Paar lässt seine lange Liebesgeschichte Revue passieren, blättert im Buch der Erinnerungen und ermutigt sich und uns, trotz dem Gefühl des bevorstehenden Verlusts die restliche Lebenszeit tanzend und singend zu verbringen.


VERONICA FUSARO

Live at Powerplay Studios – Stripped Down (deepdive records)

Seit 2019 arbeitet die Thunerin Veronica Fusaro als selbständig erwerbende Musikerin. Seither ist sie schon auf renommierten nationalen und internationalen Bühnen gestanden, wie z.B. am Montreux Jazz Festival oder am legendären Glastonbury Festival. Sie ist auch sehr gut mit der LGBTQI-Community verbunden und ist schon mal an der Pride in Bern aufgetreten. Ihr bodenständiger Indie-Pop mit Soul- und Blues-Einschlag setzt voll auf Authentizität und Ehrlichkeit. Damit hebt sie sich wohltuend von der üblichen Pop-Konfektionsware ab. Wir von Queer-Pop sind ganz stolz, dass Veronica Fusaro die Schweiz am nächsten ESC in Wien vertreten wird. Um sich von ihren unglaublichen Live-Qualitäten zu überzeugen, eignet sich ihr frisch veröffentlichtes Album «Live at Powerplay Studios -Stripped Down» perfekt. «Slot Machine» ist unser Anspieltipp.


YĪN YĪN

Yatta! (Glitterbeat Records)

YĪN YĪN, die Instrumentalband aus Maastricht, wird von Album zu Album immer besser. Auf ihrem vierten Streich «Yatta», einem japanischen Ausdruck für «wir haben es geschafft!», gelingt YĪN YĪN effektiv eine musikalische Steigerung. Das niederländische Quartett veredelt das bewährte Rezept aus Disco, Italo Disco, Funk, Surf, Psychedelia und südostasiatischen Klangbildern. YĪN YĪN erweist sich als Bruder im Geiste von Bands wie Khruangbin, Altin Gün und Los Bitchos. Wir lassen uns von YĪN YĪN in imaginäre Welten zwischen Retro-Futurismus und fernöstlicher Mystik gern entführen.


SENDUNG HÖREN


Playlist


Die Musiktipps von DJ Corey immer am 1. Sonntag im Monat im QueerUp Radio auf Radio RaBe
https://queerupradio.ch

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.