
Die Tolerdance- und QueerUpRadio-DJs beobachten das queere Popgeschehen. Was den beiden Pop-Besessenen im Jahr 2025 besonders aufgefallen ist, welche Songs und Acts sie als erinnerungswürdig, relevant oder einfach wunderschön einstufen, setzen sie auf ihre Liste «Best of QueerPop 2025»
Die zunehmende Feindlichkeit gegenüber queeren Menschen hat auch den QueerPop beeinflusst. Immer öfter beziehen queere Musiker*innen in ihren Liedern klar Position gegen den Backslash. Doch wie im Pop üblich, vermeiden die meisten klare politische Aussagen und singen lieber über ihre eigene Befindlichkeit. Die eigenen psychischen Probleme mit Pop zu verarbeiten, ist zum Standard geworden. Wir finden, es ist allemal besser, sich mit einem Popstar zu identifizieren, sie als Hilfe bei Liebes- und Identitäts-Kummer zu konsultieren, als diese mit einer KI zu bereden. Menschgemachte Pop-Weisheiten, ob spassig oder bitterernst, sollten immer bevorzug werden.
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Neue Sterne am queeren Pophimmel
Die Zeiten des grossen Mainstream-Erfolgs für schrille, exaltierte und hedonistische schwule Figuren à la Adam Lambert, Mika, Olly Alexander und Lil Nas X scheinen 2025 der Vergangenheit anzugehören. Entsprechend diesem Trend blieben die musikalischen Outputs der zwei Letztgenannten deutlich hinter den kommerziellen Erwartungen zurück. Gemäss einem Artikel im Guardian[1] werden schwule Pop-Acts, die offen und explizit mit ihrer Sexualität umgehen, neuerdings als Bedrohung für den Status Quo und den Patriarchat gesehen, weshalb sie den Plattenmajors ein Dorn im Auge sind. Da haben es lesbische Künstlerinnen wie Chappell Roan, Renée Rapp und Billie Eilish um einiges einfacher. Denn heterosexuelle Männer, die deren Musik hören und die Musik-Videos dazu schauen, weniger in den Verdacht kommen, schwul zu sein.
So hatten 2025 eher unauffällige und romantische Gay- bzw. Bi-Männer bessere Chancen auf die Charts und höhere Streaming-Zahlen. In diese Kategorie fallen Conan Gray und Luca George. Der Erste, eine der wichtigsten Stimme der Generation Z, hat sich auf seinem Album «Wishbone» dem akustischen und orchestralen Singersongwriter-Pop im Stil der 70er- und 80er-Jahren gewidmet, um eine kurze Sommerromanze zwischen zwei jungen Männern zu vertonen und seine mögliche Bisexualität zu enthüllen. «Vodka Cranberry» handelt von einer zerbrechenden Männerfreundschaft und den Gefühlen, die mit einer schwierigen Trennung einhergehen.

Der 22-jährige Luca George, die neue Hoffnung des australischen Queer Pop, hat nach einer Teilnahme am Songwriting-Camp von Troye Sivan seine erste EP «Say Hi To Paula» herausgebracht, auf welcher sich alles um die Mutter seines Ex-Freunds und die Beendigung seiner Liebe dreht. «Flowers For You» bildet das perfekte Dream-Pop-Setting für einen unheilbaren Romantiker, der stets auf die Rückkehr des Ex hofft.
Die frauenliebende Renée Rapp und die bisexuelle Lola Young waren aber deutlich erfolgreicher als ihre Gay- oder Bi-Kollegen. Erstere hat auf ihrem Album «Bite Me» die Sexaffären und das Partyleben unter Frauen gefeiert. Ihre unverstellte und direkte Art, die in ihre eingängigen Pop-, Rock- und R&B-Songs einfliesst, hat die Massen erobert. Auf dem catchy «Kiss It Kiss It» besingt sie auf einem tanzbaren Pop-Beat die Vorzüge von lesbischem Sex und die Wonnen von Oralsex.
Mit ihrer Ausnahmestimme ist Lola Young prädestiniert, in die Fussstapfen von grösseren britischen Superstars wie Adele und Amy Winehouse zu treten. Um nicht gleich tragisch wie Letztere zu enden, hat Lola Young beschlossen, ihre ausgebuchte Welttour abzusagen und zuerst ihre Suchtprobleme in den Griff zu bekommen. Der Song «Spiders», der wie eine Soul-Ballade beginnt und später in einem Gitarrengewitter mündet, spiegelt Youngs selbstzerstörerische Ader exemplarisch wider.
Jake Wesley Rogers, Maxwell Luke und Pablo Brooks liessen sich vom homophoben Trend nicht einschüchtern und zogen künstlerische Freiheit dem kommerziellen Erfolg vor.
Trotz Unterstützung durch den schwulen Hitlieferanten und Produzenten Justin Tranter und eine prominente Fan-Base von Elton John bis Cyndi Lauper konnte Jake Wesley Rogers Album «In The Key Of Life» die Charts leider nicht knacken, was selbstverständlich nichts über die Qualität des Produkts aussagt. Wir behalten das 28-jährige stimmgewaltige Glam-Pop-Phänomen weiterhin im Auge und glauben, dass seine Stunde noch kommen wird. In «My Misery» liefert Jake Wesley Rogers eine theatralische, überlebensgrosse Performance ab, die es locker mit Queens Stadionrock aufnehmen kann.

Der 23-jährige Maxwell Luke aus Florida ist nicht so rückwärtsgewandt wie sein blonder Kollege aus Missouri. Er hat nämlich auch ein offenes Ohr für moderne queere Stars von heute. Sein Album «A Swan From Gatorland», das ehrliche Musiktagebuch seines Leidens als schwuler Twen, oszilliert zwischen buntem 80s Mainstream-Pop und Singersongwriter-Pop à la Rufus Wainwright. In «Girlfriend» fühlt er sich wie das Versuchskaninchen eines grausamen Hetero-Lovers.
Davon kann auch der deutsche Künstler Pablo Brooks ein Lied singen. Im sehr catchy und campy Pop-Song «Number One Girl» und im Video dazu ist er gewillt, alles zu machen, um das Nummer-Eins-Mädel eines berüchtigten Womanizers zu werden. Das inkludiert auch an der Stange tanzen wie im Stripclub. Am Schluss gibt es kein Happy End, weil sein Schwarm klar stockhetero ist. Welcher schwule Mann hat hier kein Déjà-Vu?
Schwule Helden
Jelle Denturck aus Belgien ist Leadsänger der Band DIRK und mit dieser ziemlich erfolgreich. Doch in ihm schlummerten Song, die im Band-Kollektiv nicht zu realisieren waren. Sein Solo-Projekt Dressed Like Boys ermöglichte dem Mittdreissiger erstmals, wahrhaft persönliche Songtexte zu schreiben. Als schwuler Mann reflektiert Jelle Themen wie Sexualität, Identität und die Kämpfe der Queer-Community. Dabei bezieht er sich musikalisch auf die 70er-Jahre, auf Vorbilder wie Elton John und David Bowie. Seine Lieder brauchen den Vergleich nicht zu scheuen, ihm sind grossartigen Song gelungen. Wie «Nando», das mit einem zarten ABBA-Zitat beginnt («Nando, can you hear the drums»), und «Lies», das klingt, wie ein Popsong, der schon immer da war, oder «Pinnacles», welches bestens in Elton John Songbook passen würde. Und doch sind die Songs von Dressed Like Boys eigen und intim. Jelle Denturck ist wahrlich ein kleines Meisterwerk gelungen. Bitte mehr davon!
Nach mehr als 10 Jahren Pause sind Hunx and his Punx zurück. Bandleader Seth Bogart, der ausschliesslich weibliche Musiker für seine Band engagiert, wird gerne als «New King of Camp» bezeichnet. Dass passt, ist sein Punk doch stark vom Girl-Group-Pop der 60’s beeinflusst und dem trashigen Kitsch nicht abgeneigt. In der Pause hat er zwei Solo-Alben aufgenommen, sich vermehrt seiner Kunst gewidmet und seine Skulpturen, Gemälde, Keramiken ausgestellt. Doch die Pause hatte auch einen traurigen Hintergrund: Sein Verlobter ist 2019 bei einem Brand in ihrem Zuhause ums Leben gekommen. 2025 hat Seth Bogart seine Trauer überwunden, seinen Lebens- und Übermut wiedergefunden und Hunx and his Punx wiederbelebt. Das neue Album heisst «Walk Out on This World». Ihrem Pop-Punk sind sie treu geblieben, sogar besser und auch reifer geworden. Übrigens, es kursiert das Gerücht, dass Seth Bogart 2010 eine Affäre mit einem gewissen Daniel Pitout hatte, damals Leadsänger der Band Nü Sensae, und heute bekannt als Orville Peck.
Der maskierte Cowboy Orville Peck konnte 2025 seine Karriere diversifizieren und konsolidieren. Er spielte am Broadway den ikonische Conférencier Emcee in «Cabaret» und übernahm damit die Rolle, die zuvor von Adam Lambert gespielt wurde. Playbill schrieb: Orville Peck offenbart seine Seele und sein Gesicht. Seine schauspielerische Karriere geht weiter. Im Remake des Martial-Arts-Films «Streetfight» spielt Peck den – nicht überraschend – maskierten Kämpfer Vega. Der Film kommt 2026 in die Kinos. Musikalisch reichte für Orville Peck die Zeit im letzten Jahr nur für eine EP mit sieben Songs («Appaloosa»). Besonders gelungen ist seine Interpretation des Cabaret-Songs «Maybe This Time».

Wir befanden 2024, dass Loren Kramar mit dem Album «Glovemaker» das beste queere Debüt des Jahres gelungen ist. 2025 hat er uns erneut begeistert. Doch diesmal nicht mit eigenen Songs, sondern mit Covers von Lana Del Rey. Fünf Kompositionen von Lana Del Rey hat er für seine EP «Heroin» ausgewählt und damit bewiesen und bestätigt: Lana Del Rey-Song sind klasse und Loren Kramer ist eine Klasse für sich.
David Archuleta gewann als 10-Jähriger einen Gesangswettbewerb. Als Kind und Teenager tingelte er fortan durch die verschiedensten Castingshows in Amerika und das ziemlich erfolgreich. Seine lateinamerikanischen Wurzeln aber auch der christliche Hintergrund waren deutlich sichtbar in seinem musikalischen Schaffen. Seine Familie war Mitglied einer Mormonenkirche. Für diese war er sogar zwei Jahre als Missionar unterwegs. Doch dann akzeptierte er seine queere Sexualität. Seine Gespräche mit Führern der Kirche seien sinnlos gewesen, sagte er in einem Interview, er habe sogar irgendwann Selbstmord in Betracht gezogen, weil er dachte, dass Gott ihm Selbstmord eher verzeihen würde als queer zu sein. Zum Glück war seine Resilienz stark genug. Er und seine Familie haben die Kirche verlassen. 2025 ist nun sein Post-Coming-out Album «Earthly Delights» erschienen. Seine sexuelle Befreiung ist in jeder Note zu spüren. Besonders süss ist seine Hit-Single «Crème Brulée».
Queere Heldinnen
Mit dem intimen Werk «Returning To Myself» wurde die mehrfach ausgezeichnete Promi-Lesbe Brandi Carlile ihrem Ruf als begnadete Geschichtenerzählerin und Sängerin vollkommen gerecht. Eine Alleskönnerin, die mit Country, Folk, Pop und Rock so souverän umgeht, als hätte sie diese Stilrichtungen selber erfunden. Uns haben insbesondere ihre akustischen melodiösen Balladen voller Ehrlichkeit angetan, wie z.B. das an Joni Mitchell angelehnte Albumtitelstück.
Auch Mikaela Straus alias King Princess zeigte sich auf ihrem dritten Album «Girl Violence» sehr persönlich. Insbesondere setzte sie sich mit dem Ende ihrer langjährigen Partnerschaft zu Filmregisseurin Quinn Wilson auseinander. «Girl Violence» ist eine musikalische Abrechnung auf mehreren Ebenen: mit ehemaligen Partnerinnen, mit der früheren Plattenfirma und mit Los Angeles. Mit der bittersüssen Crush-Hymne «Jaime» ist ihr eine sehr charmante Pop-Melodie an der Schnittstelle zwischen Synthie-Pop und R&B gelungen.

Hinter dem Namen G Flip versteckt sich die australische Musikerin Georgia Flipo, die für ihren hymnischen Synth- und Indie-Pop bekannt ist. Auf ihrem dritten Album «Dream Ride» schlüpft G Flip in die Butch-Version von Bruce Springsteen in seiner «Dancing In The Dark»-Phase ungefähr 1984. «Dream Ride» ist der radiotaugliche Soundtrack zu einem imaginären, nostalgischen Road-Movie, der sich auf einsamen Autobahnen, in abgelegenen Tankstellen und Motels abspielt und sich vorwiegend an ein lesbisches Publikum richtet. Die Single «Disco Cowgirl» ist ein toller Ausflug in den bunten 80s-Pop mit der Soundtechnik von heute.
In Irland gilt die bisexelle CMAT – das Akronym für Ciara Mary-Alice Thompson – als queere Ikone des Indie-Folk-Pop-Country. Auf ihrem Album «Euro-Country» behandelt CMAT mit einem leichten Augenzwinkern Themen wie Body Shaming, psychische Gesundheit, irische Identität und die Folgen des Spätkapitalismus und verbindet ihre witzigen Texte mit unwiderstehlichen Melodien. Z.B. «Take a sexy picture of me», dessen Video auf CMATs YouTube-Kanal am meisten angeklickt wurde, ist mit Abstand der catchyste Song über Body Shaming, den jemals geschrieben wurde.
Allie Xs Album «Girl With No Face» mit dem knalligen Goth-Pop-Sound im Stil der führen 80er Jahre war die queere Entdeckung des Musikjahrs 2024. 2025 doppelte Allie X mit «Happiness Is Going To Get You» nach, wo sie ihren Goth-Pop mit Brit-Pop-, R&B-, Trip-Hop- und Big Beat-Zitaten aus den 90er-Jahren vermählte. Auch optisch vollzog sie einen Wandel von der maskierten Goth-Göre zur modernen, Harfe spielenden Braut Frankensteins. «I Hope You Hear This Song» ist wahrscheinlich das krasseste Beispiel für ihre 90s-Besessenheit, da es gegen Schluss unmissverständlich in «Bittersweet Symphony» von The Verve übergeht.
Die Kanadierin Katie Stelmanis alias Austra verabschiedete sich auf ihrem fünften Album «Chin Up Buttercup» von ihrer untreuen Ex, tanzte ihren Trennungsschmerz weg und wagte einen Neuanfang. Austras einzigartige Opernstimme ist die Hauptdarstellerin in Songs, die zwischen melancholischem New Wave, euphorisierendem Electro-Pop und clubtauglichen Dance-Tracks oszillieren. Uns hat der Opener «Amnesia» mit dem explodierenden zweiten Teil besonders beeindruckt.

Die Londoner Musikerin und Sängerin Celeste hat sich für das Nachfolgeralbum zu ihrem famosen Debüt «Not Your Muse» fast fünf Jahre Zeit gelassen. «Woman of Faces» ist ein facettenreiches, von Soul, orchestralem Pop und Jazz inspiriertes Werk, das den Geist vergangener Musik-Heldinnen wie Nina Simone, Billie Holiday und Amy Winehouse evoziert. Thematisch geht es um die Weigerung, in gesellschaftliche Schubladen gesteckt zu werden und um die Aufforderung, zu den eigenen Widersprüchlichkeiten zu stehen und sich als legitimen Teil der Gesellschaft wahrzunehmen. Das Titelstück ist eine Hommage an alle Frauen, die hart im Hintergrund arbeiten, wie Krankenschwester und -Pflegerinnen, ohne dafür Dankbarkeit oder Wertschätzung zu erhalten.
Queer Country
In den letzten Jahren ist Queer Country stark gewachsen und sichtbar worden. Es zeigt einmal mehr, wenn der Hass gegen alles, was nicht der heteronormativen Form entspricht, zunimmt – was in den USA deutlich zu sehen ist – verstärkt sich auch der Widerstand.
Fancy Hagood ist ein molliger, junger Mann mit Bart, doch für seine Plattenfirma war er zu offensichtlich schwul, weshalb sie seine erste Single «Goodbye» (2015) unter dem Pseudonym Who Is Fancy vermarktete, ohne die Person, die dahinterstand, zu offenbaren. Doch das Versteckspiel hatte bald ein Ende. Vom Label und vom Pop hat Fancy Hagood sich abgewandt und macht jetzt Countrymusik, im Selbstvertrieb. Im Oktober erschien sein hörenswertes Album «American Spirit». Darauf der gefällige Song «Where Rainbows Never Die».

Robert Adam aus Calgary steht für sanften, poppigen Country in Pastellfarben. Er selbst bezeichnet sich als «Dream Angel Cowboy» und erzählte, dass es in der Provinz, in der er aufwuchs, nicht einfach war, die eigene queere Identität zu feiern. Doch heute sei er stolz darauf, ein queerer Musiker aus Kanada zu sein und es sei ihm wichtig, Countrymusik zu seinen eigenen Bedingungen zu machen. 2025 erschien sein Debüt-Album «Governed by the Seasons». Robert Adam ist zurzeit auf Tournee, doch in den USA will er keine Konzerte spielen. Die aktuell weit verbreitete Homophobie dort schreckt ihn ab. «Auf der Welt gibt es so viele andere Orte, wo sie bereit sind, Musik zu hören von einem queeren Menschen wie mir.»
Bekannt wurde Adam Mac als «Disco Cowboy» (2022). Letztes Jahr hat er sein zweites Album «Southern Spectacle» veröffentlicht. Darauf ist ein berührendes Liebeslied zu finden, ein Versprechen an seinen Mann, mit dem er die Ringe getauscht hat: «Now my only ring will be this band of gold. You are my last rodeo». Das Video dazu wurde in der Wüstenstadt Sedona in Arizona gedreht, wo die beiden Cowboys tatsächlich geheiratet haben. Ein sehr schönes Hochzeits-Video!
Sie heisst Lily Rose, doch dieser Girl-Name passt irgendwie nicht zu ihrem burschikosen Auftreten. So wie sie ihren Blumen-Namen mit Stolz trägt, ist sie auch eine stolze Lesbe, die weiss, was sie will. «I Know What I Want» ist der Titel ihres zweiten Albums, das ihre Vielseitigkeit zeigt. Sie hat nicht nur Balladen und rockigen Sound drauf, sondern reicht ihren Country gerne mit etwas Hip-Hop an. Die erfahrene Livemusikerin war 2025 in ihrer Heimat USA auf Tour und hat mit ihrem neuen Album die Erwartungen erfüllt. Lily Rose ist ein Country-Star für die Zukunft.
Soul und R’n’B international
Lange galten uramerikanische Genres wie Hip-Hop, R&B und Soul als Hüter einer geschlechtlich binären und heteronormativ strukturierten Welt, wo Sexismus, Misogynie und Homophobie grassieren. Doch in den letzten Jahren häuften sich die Coming-Outs in dieser ultrakonservativen Szene. Das führte dazu, dass plötzlich queeres Begehren und ein alternatives Rollenverständnis im Hip-Hop, Soul und R&B thematisiert wurden und Einzug in den Mainstream hielten. Davon betroffen war auch 2025 nicht nur der R&B «Made in the USA», sondern auch der R&B weltweit.
Ende 2024 sah sich der damals schon erfolgreiche US-R&B-Sänger Khalid zu einem unfreiwilligen Coming Out gezwungen, nachdem er von einem Mitmusiker öffentlich geoutet wurde. Hielt Khalid auf seinen ersten drei Alben seine sexuelle Orientierung noch geheim, klang sein neues Opus «after the sun goes down» wie ein echter Befreiungsschlag. Khalid umarmte furcht- und schamlos seine Queerness. Seine früheren schüchternen Balladen wurden von emotional und sexuell geladenen Dance-Pop-R&B-Nummern abgelöst, wie der verführerischen Darkchild-Produktion «out of body» in einem schönen 90s-R&B-Mood.

Destin Conrad, ein offen schwuler R&B-Sänger aus Tampa, Florida, startete seine Karriere mit kurzen witzigen Videos auf der Plattform Vine und als Hit-Lieferant u.a. für R&B-Star Khelani. Auf seinem Albumdebüt mit dem Titel «Love On Digital», einer Anspielung auf die Freuden und Tücken von Sex-Dating und queerer Liebe im digitalen Zeitalter, reaktiviert Destin Conrad den futuristischen, perkussiven R&B der 00er-Jahre. Die sinnliche Single «Kissing In Public» hat uns den Frühling versüsst.
Im Vergleich zu Khalid und Destin Conrad ist der Grammy-Nominierte Durand Bernarr ein richtiger Gentleman. Auf seinem zweiten Album «Bloom» ist der offen queere R&B-Sänger aus Ohio von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt, von romantisch über platonisch bis zur Selbstliebe. In der samtenen R&B-Ballade «Overqualified» sinniert Durand Bernarr mit wandlungsfähiger Engelstimme über die Paradoxe von Fähigkeiten und Chancen in der Liebe.
Fans von introspektivem R&B zwischen Frank Ocean und Miguel sollen unbedingt zum Album «SOULAR» des unabhängigen queeren R&B-Künstlers Kyle Dion greifen. Dions charakteristisches Falsett vermählt sich perfekt mit minimalistischen Beats, sphärischen Synthesizern, akustischen Gitarren und leichten Funk-Spuren. Die Single «SUGA ON THE RIM» bietet eine sinnliche Kreuzung zwischen einer Neptunes-Produktion und dem ersten Solo-Album von Justin Timberlake.
Besonders schön (auch) über queere Liebe kann FAYIM singen. Auf seiner Debüt-EP «Fokus» erzählt der in Berlin lebende Singer-Songwriter persönliche, zauberhafte, deutschsprachige Geschichten aus der Perspektive eines schwarzen, queeren Künstlers. Musikalisch legt er den Fokus besonders auf anspruchsvolle Vocal-Arrangements und einen Mix aus R&B, Soul, Jazz und Pop. Das zuckersüsse und zugleich emotionales Titelstück hat uns ganz schön berührt.
Das weibliche Gesangstrio Say She She aus Brooklyn meisterte mit seinem dritten Album «Cut & Rewind» den perfekten Balance-Akt zwischen politischem Statement gegen Rassismus und Homophobie und psychedelischem Disco-Funk-Soul. Der Schlüsselsong des Albums «Disco Life» erinnert an die traurige «Disco Demolition Night» von 1979 in Chicago, als männliche (eher weisse) Rock-Fans und Disco-Hasser die Disco-Platten von Schwarzen, Queeren und Frauen verbrannten.

In Japan könnte ein Coming-Out als Gay das Ende der Karriere als Pop-Musiker*in bedeuten. Vor diesem Hintergrund erstaunt es, dass der J-Pop-Star Fujii Kaze in einer Instagram-Q&A-Session mit seinen Fans Spekulationen auf eine mögliche Bisexualität anfeuerte. Sein Album «Prema» ist der geglückte Versuch einer Annäherung an ein internationales Publikum. Der R&B von Fujii Kaze ist deutlich von 80s-Pop, Disco, Synth-Pop und Yachtrock geprägt. Sein Hit «Hachikō» kombiniert westlichen Pop-Appeal mit J-Pop und einem raffinierten 80s-Dance-Groove.
Deutscher Klartext
Als deutschsprachiger Mensch, fällt es einem leicht, bei englischsprachigen Popsongs die oft etwas dürftigen Texte zu überhören. Wird jedoch deutsch gesungen, fällt es schwer, doofe Texte zu ignorieren. Es ist deshalb queeren deutschsprachigen Künstler*innen hoch anzurechnen, wenn sie Klartext singen und Stellung beziehen.
Andy Sharif, das Kind iranisch-deutscher Eltern, wollte «ein musikalisches Statement für Freiheit, Selbstbestimmung und ein modernes Verständnis von Männlichkeit» setzen. Nach abwertenden Kommentaren in den sozialen Medien zu seinen lackierten Fingernägeln reagiert Andy Sharif nicht mit Rechtfertigungen, sondern mit einer neuen Single. «Wie ein Mann» steht für Akzeptanz, Vielfalt und queere Freiheit und ruft dazu auf, Lebensfreude zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Queer-Rapper kerosin95 aus Wien hat nach dem Debüt von 2021 endlich ein neues Album aufgenommen. Diesmal mit Unterstützung von Produzent Osive. Das Album «Coming Out» ist einerseits ein Fick-dich an alle Transfeinde und andererseits eine Feier der queeren Vielfalt. In den politischen Texten von kerosin95 ist immer auch Humor, zudem sorgte Osive dafür, dass die Songs tanzbar und catchy sind. So wird im Titeltrack «Coming Out» das Original von Diana Ross gedrosselt und neu aufgezäumt. «Die alte Version gibt schon lange den Geist auf. Du suchst nach Upgrades aber bleibst im Kreislauf. Du willst dich entdecken aber bleibst im Hide Out.»
Lila Sovia ist eine Rapperin aus Hamburg. Ihre Texte sind politisch und emotional, sollen aber auch zur Selbstermächtigung aufrufen. Ihre Themen sind Trans-sein, Non-Binary, queer-feministischer Aktivismus und radikale Selbstfürsorge. Ihre Auftritte pendeln zwischen Spoken-Word-Performances, Oldschool-Hip-Hop und hippem Autotune-Rap. Im Song «FLINTA» wettert sie gegen sexistische Rapper und singt, dass sie lieber mit FLINTAs abhängt.

Das Pop-Duo BOAH ROBIN! hat im November ihr drittes Album «Animal Rationale» auf den Markt gebracht und plant eine Tournee mit vielen Pride-Auftritten im Jahr 2026. Aus dem Geheimtipp ist ein Act geworden, der gehört werden muss. Es sind insbesondere die Texte von Robin, die einen aufhorchen lassen. Die sind unmittelbar, ehrlich und originell. In «Weil ich es dir Wert bin» beispielsweise, vergleicht sich der finanzschwache Robin mit seinem vermögenden Ex: «Mein Ex war in der Zahnklinik Budapest. Ich bin zu pleite für Dr. Best. Er lässt sich seine Rosette bleachen. Ohne Bettgestell kann’s nicht quietschen». Vermutlich der erste Song der Geschichte in dem sich bleachen auf quietschen reimt.
Generationsübergreifende Duette
Musik-Stars sind ihrerseits auch Fans (gewesen). Wenn sie Glück haben, gelingt es ihnen, mal einen Song oder sogar ein ganzes Album mit ihrem einstigen Jugendidol aufzunehmen. Zwei generationsübergreifende Begegnungen haben uns 2025 besonders beeindruckt. Andy Bell von Erasure konnte für die solide Synthie-Pop-Nummer «Heart’s A Liar» keine Geringere als Blondie-Ikone Debbie Harry gewinnen. Ihrerseits konnte Brandi Carlile mit ihrem Kindheitshelden Elton John das weltweit gelobte und erfolgreiche Kollaborationsalbum «Who Believes In Angels?» herausbringen. Der charmante Chor- und Harmoniegesang der beiden LGBTQ-Ikonen entfaltet sich besonders eindrucksvoll auf «Swing For The Fences»
Singer-Songwriters
Phoebe Bridgers war 2025 die grosse Abwesende. Dafür haben die zwei anderen Mitglieder von Boygenius Lucy Dacus und Julien Baker mit ihren jeweiligen Solo-Projekten auf der ganzen Linie überzeugt.
Auf «Forever Is A Feeling» machte Lucy Dacus ihre Liaison mit Julien Baker offiziell. Ihr reduzierter Indie-Folk lebt von akustischen Gitarren, feinen Klaviertönen und sanften Streicherarrangements. Besonders bewegend ist der Trennungssong «Bullseye», ein gefühlvolles Duett mit dem irischen Sänger Hozier.

Für «Send A Prayer My Way» tat sich Julien Baker mit der Songwriterin Torres zusammen. Lange Zeit lehnten beide Südstaaten-Kinder Country-Musik als Symbol für eine weisse, heteronormative und nationalistische Kultur ab, wo sie als queere Menschen gemobbt wurden. Auf «Send A Prayer My Way» versöhnen sich die Indie-geschulten Künstlerinnen mit dem klassischen Country-Sound und verleihen ihm einen deutlichen lesbischen Anstrich. «Bottom of a Bottle» offenbart die Liebe des Duos zur Country- und Americana-Musik der 90er Jahre mit vielen Geigen, Saloon-Klavier, verführerischen Steel-Gitarren und einem mitreissenden Refrain.
Die 25-jährige Singersongwriterin Gigi Perez wurde als lesbisches Mädchen an einer christlichen High School in Florida diskriminiert. Mit Musikschreiben will sie ein Zeichen gegen Homophobie setzen. Heute gilt Gigi Perez als Indie-Folk-Sensation, nachdem ihre Songs «Celene» über den Verlust ihrer Schwester und «Sailor Song» über eine schmerzhafte Trennung viral gingen. Auf ihrem Debüt «At The Beach, In Every Life» verpackt Gigi Perez ihre persönlichen Geschichten in feine lofi-produzierten Indie-Folk-Songs. Im Titelstück geht es um eine enttäuschende, alles verzehrende und chaotische Liebe.
Ebenfalls erinnerungswürdig ist «In Limerence», das Debütalbum von Jacob Alon. Der/die nonbinär*e Künstler*in aus Schottland schreibt fragile, intime und melancholische Folk-Pop-Songs, die er mit sanfter bis kraftvoller Stimme und sphärischen Gitarrenklängen vorträgt. Alons Stil ist irgendwo zwischen dem britischen Folk-Barden Nick Drake, Jeff Buckley, Rufus Wainwright und Tamino anzusiedeln. In «Confessions» geht es um die Verwirrung, die Jacob empfindet, als ein Ex-Freund die Existenz ihrer Liebesbeziehung in der Öffentlichkeit leugnet.
Bells Larsen ist ein kanadischer Transgender-Musiker, dem 2025 seine US-Tournee wegen verweigertem Visum aufgrund von Transphobie absagen musste. Sein Album «Blurring Time» versammelt neun intime Indie-Folk-Juwelen, die zwischen 90’s LoFi-Indie und glühenden Folk-Balladen variieren. Dank der Studio-Technik können seine alte höhere und seine neue, durch das Testosteron tiefer gewordene Stimme miteinander harmonieren. Das ist insbesondere auf dem Stück «Might» zu hören.
Queer As Fuck
Viele queere Musiker*innen singen heute über ihre mentalen Probleme. Das ist auch gut so. Doch es ist befreiend, wenn auch einmal der Sex in Homosexuell thematisiert wird.
Jordan Firstman aus Los Angeles ist Autor, Schauspieler, Sänger und Comedian. Er wurde bekannt durch seine witzigen und bösen Instagram-Videos und weil er im Film «Rotting in the Sun» (2023) einen Blowjob gibt – nicht simuliert! Nun gibt es auch ein Album von ihm. In «Secrets» macht sich Jordan Firstman lustig über Geheimnisse, die ihm anvertraut wurden – meistens haben sie etwas mit Sex zu tun. Wie beispielsweise, dass man gerne mal die Schwänze seiner Freunde sehen würde («I Wanna See My Friend’s Dicks») oder dass man weint beim Masturbieren («I Cry When I Masterbate»). Wie bei seiner Themenwahl scheint Jordan Firstman auch musikalisch keine Tabus zu kennten. Von Country über Indie-Rock bis Musical-Balladen ist alles zu finden.

Der New Yorker Gallipony hat vermutlich keine T-Shirts. Auf seinem Instagram-Profil jedenfalls ist er meistens oben ohne zu sehen. Auf seine behaarte Brust darf er stolz sein. Sex ist auch bei ihm ein omnipräsentes Thema. Für seine Single «Rather Be» engagierte er den Schauspieler Brandon Flynn («13 Reasons Why»), um sich mit ihm im Bett zu wälzen. Entsprechend hämmert der Beat wie bei einem guten Fick. Noch gilt Gallipony als Geheimtipp, ausser ein paar Singles, (auf deren Cover er immer nackt ist!), gibt es noch nicht viel. Wir halten ein Auge auf ihm und sind gespannt, was er uns noch zu bieten hat und bestärken ihn in seiner Haltung, dass T-Shirts überbewertet werden.
Ebenfalls ein Newcomer mit erst ein paar Singles ist der junge Singer-Songwriter und Produzent Gabriel Santiago aus Mexiko. Er verleiht Popmusik mit seiner avantgardistischen Sicht auf Freiheit und Sexualität eine neue Note. Seine Songs thematisieren psychische Gesundheit, Politik und Popkultur in einem glitzernd-bunten Stil. Und ja, es ist alles ziemlich erotisch oder korrekter: homoerotisch. «Homoerotic» heisst nämlich der Song, der er im Oktober 2025 rausbrachte und ihn bekannter macht.
Der Brite Tom Rasmussen begann als Drag-Performer und ist heute ein Musiker, der in keine Schublade passen will. 2025 veröffentlichte er das Album «High Wire» mit Remixen, Neuinterpretation und ein paar neuen Songs, mit fast ausschliesslich Trans-Gastmusiker*innen. Darunter «Gay Bar» in dem er über den schnellen Sex in Darkrooms spricht und das langsame Verschwinden ebensolcher Bars beklagt. Rasmussen findet, dass Gay-Bars ewig bestehen sollten, wenn sie es denn schaffen, die Bedeutung von «gay» weiterzuentwickeln – und von «Bar» übrigens auch.
Queer ESC
Der queeren Eurovision-Community gelang dieses Jahr der Hattrick. Nach der bisexuellen Loreen (2023) und dem non-binären Nemo (2024) hat dieses Jahr in Basel der schwule JJ für Österreich gewonnen. JJ war nicht der einzige Queere am Wettbewerb. Der schöne Tscheche ADONXS beeindruckt mit seiner Stimme, doch sein Song «Kiss Kiss Goodbye» fand beim Publikum kein Anklang. Den «Poison Cake» von Marko Bošnjak aus Kroatien wollte keiner kosten und auch Red Sebastian Darbietung von Stobe Lights» wurde verschmäht, keiner schaffte es ins Finale. Red Sebastians Nachfolgesingle «Slay war zudem besser als sein ESC-Beitrag. So wurde zum Schluss der gelungen Eurovision-Show in Basel dem Wiener JJ der Pokal überreicht. Mit seiner aussergewöhnlichen Countertenor-Stimme und der beeindruckenden Show konnte er sowohl die Jury wie das Publium überzeugen.
Nemo
Der Backlash gegen queere Personen ging auch an NEMO nicht spurlos vorbei. 2024 wurde Nemo auf Grund des ESC-Siegs mit «The Code» noch als National-Held*in gefeiert. Aber seit Nemos Final-Auftritt am ESC 2025 mit «Unexplainable» und Nemos Rückgabe des ESC-Pokals 2024 an die EBU, um gegen Israels ESC-Teilnahme zu protestieren, wird Nemo zunehmend mit Hass oder Unverständnis begegnet. Diese Polarisierung und bestimmt auch die relativ lange Zeit zwischen dem ESC-Sieg und dem Album-Release können das eher verhaltene Publikumsinteresse an Nemos englischsprachiges Debüt «Lighthouse» erklären.
Für uns hat sich die Wartezeit bestimmt gelohnt. «Lighthouse» offenbart Nemos einzigartiges Stimmtalent und unglaubliche musikalische Bandbreite, die von Funky-Disco-Grooves, Techno, bis zu Oper, herzzerreisenden Balladen und Disney-Märchenwelt reicht. Die als Safe-Space-Playlist konzipierte Songkollektion wird vorwiegend von Party-Tönen getragen. Selbstreflektion, Liebe und persönliches Engagement kommen aber nicht zu kurz. In der Retrospektive verdient die dramatische Ballade «Unexplainable» nach der damals meistens falsch interpretierten ESC-Performance absolut eine zweite Chance und grossen Respekt. So verletzlich und berührend hat bisher niemand den Schmerz nicht binärer Menschen, nicht verstanden und akzeptiert zu werden, zum Ausdruck gebracht. Darum bleibt Nemo auch heute relevanter denn je. Die Hetze gegen Nemo muss also echt aufhören!
Swiss made
Kings Elliot wird eine Karriere zugetraut, die weit über die engen Schweizer Grenzen hinausgeht. Ihr Pop ist international. Sie lebt heute in London und ist bei Universal unter Vertrag. Zudem fällt sie mit ihrem Schlumpf-Blauen Haar auf. Anja Gmür, wie Kings Elliot bürgerlich heisst, hat dieses Jahr ihr Debütalbum «Born Blue» veröffentlicht. Sie singt über psychische Gesundheit sowie ihre Identität, wobei sie diese als «queer» versteht. Doch, wie der Titel impliziert, sind ihre Songs etwas melancholisch. «Ich hoffe, dass ‹Born Blue› Menschen erreicht, die sich in ihrer Traurigkeit oder Andersartigkeit wiederfinden und darin Trost oder einen Moment von Freiheit spüren können», sagt Kings Elliot. Dabei ist ihr auch wichtig, klarzustellen, dass ‹Blue› nicht nur für Traurigkeit und Melancholie, sondern auch für endlose Freiheit, grenzenlose Tiefe und Kraft steht.
Mit Melancholie kennt sich auch MORPHELANCOLIE aus, wie Kings Elliot verwandelt er diese in Kraft. Morph-Pop nennt der Romande seine Musik, mit der er sich mit einer 4-Songs-EP und einem Konzert im Sommer 2025 an der Pride in Bern vorgestellt hat. Mit roher Sensibilität und unendlicher kreativer Energie lädt er alle ein, Schmerz in Stärke zu verwandeln. Ein spannender neuer queerer Schweizer Künstler. Von ihm werden wir hoffentlich bald mehr hören, denn er soll nicht unsichtbar bleiben, sondern unbesiegbar werden. Im Song «Invisible» singt er: Chaque fois, cette bombe détonne. Je deviens invincible. Mais je me retrouve seul chez moi. Et je deviens invisible.

2025 hat der Berner Oberländer Adrian Graf, der als Sivilan eine Karriere als Singer-Songwriter mit Pop-Appeal anstrebt, eine erquickliche EP veröffentlicht. «Growing up Hurts» begeistert nicht nur mit dem putzigen Cover-Foto, sondern auch mit fünf sorgfältig komponierten Songs. Um diese zu schreiben, ging er weg von Zürich, wo er heute lebt, zurück in sein Heimatdorf, um dort über das Erwachsenwerden als queere Person in der Provinz zu reflektieren. Übrigens: Am 20. Februar gibt Sivilian ein Konzert im Mokka in Thun (Tickets).
Und wie steht es um «Switzerland’s Queen of R&B» Naomi Lareine? Sie war für jemanden die verbotene Frucht, das Girl in eine Beziehung, das frau besser nicht verführen sollte. Konnte Naomi den Avancen widerstehen oder ist ein wenig Fremdknutschen in der Beziehung OK? Ausser ein paar Collabs war der sexy Song «Forbidden Fruit» leider ihre einzige Veröffentlichung im Jahr 2025 und hätte mehr Aufmerksamkeit verdient.
Meravigliosa Italia
Die Pop-Szene des Bel Paese wurde 2025 hauptsächlich von Italo-Rap und urbanen, auf Hit getrimmten Canzoni dominiert. Generell ist beim Publikum aber eine gewisse Übersättigung eingetreten und die Lust auf Neues wurde zunehmend spürbar.
Aufgefallen sind echte musikalische Outsider, die Licht Jahre von der Konfektionsware der Hit Paraden entfernt sind und sich in der Tradition der Cantautori à la Lucio Dalla, Luigi Tenco und Fabrizio De André sehen. 2025 war bestimmt das Jahr von Lucio Corsi, einem hageren, androgynen Elf mit langem Haar, weiss bemaltem Gesicht und Vintage-Klamotten. «Volevo essere un duro», seine Glam-Rock-Ballade über die Schwierigkeit, jemand sein zu wollen, der man nicht ist, hat nicht nur das Publikum in San Remo und am ESC umgehauen, sondern auch uns. Lucio Corsi ist mehr als nur der Nachrücker für Italien beim diesjährigen ESC. Seine Musik verdient entdeckt zu werden.

Wie Lucio Corsi scheint auch Venerus von einem anderen Planeten zu stammen, wie das Cover seines neuen Albums «Speriamo» auch belegt, ein Ölgemälde wie aus dem Mittelalter, das ihn als halbnackten Adam an einem Baum angelehnt neben seinem Motorrad porträtiert. Trotz seiner klaren Bezüge zu den früheren Cantautori sitzt der queere Venerus auf seinem Album «Speriamo» zwischen vielen musikalischen Stühlen. Er sieht sich nicht nur als politischen Liedermacher, sondern er möchte auch eine urbane und poppige Seite zeigen. Besonders hübsch ist «Sentire», der melancholisch-zarte Kollabo-Song mit der Sanremo-Siegerin 2024 Angelina Mango.
Tiziano Ferro war 2025 Italiens erfolgreichster offen schwuler Sänger. Mit «Sono un grande» gelang ihm ein grosses Comeback. Dank einem frischen Produktionsteam und einem neuen Label konnte Tiziano Ferro nahtlos an den R&B seiner Anfänge anknüpfen. Seine bewährte Mischung aus emotionsgeladenen persönlichen Balladen und unbeschwerten Tanznummern wurde einem modernen Design-Update unterzogen. Die pulsierende Single «Fingo&Spingo» liess uns einfach nicht los.
Kitsch-Trinen
Dass Schwule den Kitsch mögen – wir nennen das Camp – ist nichts neues. Eine Kitsch-Trine ist beispielweise Calum Scott. Seine Stärke sind die Pop-Balladen. Mit diesen begeistert er auch das Publikum, als er im Oktober ’25 im Hallenstadion auftrat. Für Calum Scott läuft es zurzeit gut, denn auch sein drittes Album «Avenoir» wurde ein Hit.

Sam Smith hat sich einen gezwirbelten Schnurrbar wachsen lassen, was cool aussieht, und macht ansonsten eine kreative Pause. Was dei zu gönnen ist, ist Smith doch seit 2013 fast ununterbrochen am Arbeiten. Doch ein Projekt, das Sam am Herzen lag, konnte 2025 doch verwirklicht werden. Sam hat den Song «To Be Free» mit der Welt geteilt, der mit dem TwoCity Chorus aufgenommen wurde. Das ist opulenter Gospel-Pop und vielleicht ein Hinweis darauf, wie es mit Sam Smiths Karriere weitergehen wird: Bombast-Kitsch!
Der walisische Schauspieler Luke Evans ist eine Disney Prinzessin, gefangen im Körper eines Action-Helden. 2025 hat der 42-Jährige nicht nur seine Autobiografie «Boy From the Valleys – My unexpected journey» veröffentlicht (derzeit nur auf englisch verfügbar) und eine neue Single, ein Liebeslied an seinen Partner, über den er sagte: «Er ist ein grossartiger Mensch, definitiv das Beste an mir. Er macht mich buchstäblich zu einem besseren Menschen.» Ach, so schön!
Der Grieche George Perris ist oft etwas zu kitschig. Seine Pop-Klassik, die oft ins Schlagerhafte abdriftet, passt gut in eine Samstagabend-Show und wird deshalb international gebucht. Sein neues Album «Mazi I Kanis», auf dem er ausschliesslich griechisch singt, ist zwar immer noch ziemlich kitschig, aber auf eine angenehme Art. Ich mag es. Besonders das Lied «Panta Aniko Kapou Allou (Ich gehöre immer woanders hin)» ist herzerweichend.
Indie-Held*innen
In Musikzeitschriften, Musik-Blogs oder Musik-Webseiten bekamen queere Indie-Musiker*innen auch 2025 einen besonderen Ehrenplatz. Neben altbekannten Gesichtern wie The Hidden Cameras, Perfume Genius und Ezra Furman wurde auch diversen Newcomer*innen eine Werbe-Plattform geboten.
Auf «Bronto», das Comeback von The Hidden Cameras nach beinahe zehnjähriger Funkstille, blicken wir mit gemischten Gefühlen zurück. Eigentlich sehnten wir uns nach neuen schlüpfrigen «gay church folk»-Perlen. Stattdessen tauschten Joel Gibb & Co ihren originellen Signature-Sound gegen einen allzu beliebigen Queer-Dance-Electroclash-Synthie-Pop. Zwar sind die politischen und homoerotischen Texte geblieben, aber wir wünschten uns lieber den alten Kammerpop zurück. Dieser schimmert immerhin in «How Do You Love» und «Don’t Tell Me That You Love Me» leicht durch, der mit raffinierten Streicher-Arrangements von Owen Pallett aufwartet.
«Glory» von Michael Hadreas alias Perfume Genius hat uns schon mehr überzeugt. In 17 Jahren hat sein queerer Art-, Chamber- und Indie-Pop nichts an Dringlichkeit und Intensität eingebüsst. Auf «Glory» ist Perfume Genius vielleicht noch etwas reifer geworden. Er setzt sich mit der eigenen Vergänglichkeit, seinen Ängsten und Sorgen und auch mit der grossen Liebe auseinander. Dank einer superben Studioband wagt Perfume Genius den Sprung in neue Gefilde wie Alternative Country und Americana und gewinnt. Im sinistren Song «No Front Teeth» mit der neuseeländischen Künstlerin Aldous Harding vertont Perfume Genius einen Albtraum, den viele Menschen in der Nacht heimsucht: den Ausfall der (Vorder-)Zähne. Unheimlich, aber schön.

Nach einer zehnjährigen Schaffenspause konnte der schwule Multiinstrumentalist und Songwriter Patrick Wolf, bekannt für sein Spielen alter Instrumente wie der Bratsche und der keltischen Harfe und seine originellen Outfits, das Herz seiner treuen Fans und der Musikkritiker*innen zurückerobern. Auf «Crying The Neck» besann sich Patrick Wolf auf den folkigen Art-Pop seiner Anfänge zurück und liess seine Hörer*innenschaft an seinen Süchten und all den dunklen Momenten der letzten Jahre, wie dem Tod seiner Mutter und dem eigenen Bankrott, teilhaben. Das Eröffnungsstück «Reculver», der als Piano-Ballade beginnt und in eine opulente Folk-hymne mündet, ist wirklich grosse Kunst.
Die trans*Frau und Indie-Rock-Künstlerin Ezra Furman bewies auf ihrem siebten Album «Goodbye Small Head», dass sie mehr als die weibliche Indie-Rock-Version von Bruce Springsteen ist, indem sie ihren Rock’n’Roll mit elektronischen Spielereien und einem Streicherensemble ergänzte. Aus queerer Sicht ist ihr Album Statement und Mutmacher zugleich. «Goodbye Small Head» ist ein Aufruf, in diesen von Hass gegen trans*Menschen geprägten Zeiten die Zuversicht und die Hoffnung nicht aufzugeben. Der episch-cineastische, von Streichern getragene Opener «Grand Mal» war unser Favorit.
In Indie-Kreisen haben insbesondere drei coole queere Frauenbands für Furore gesorgt. The Aces, das Frauenquartett um die lesbischen Schwestern Alisa und Cristal Ramirez aus Utah, verwandeln auf «Gold Star Baby» ihre Frustration wegen fehlender queerer Safe Spaces in pure queere Indie-Disco-Euphorie. Auch das kanadische Indie-Rock-Frauen-Quartett The Beaches hat auf «No Hard Feelings» die Indie-Disco-Fahne hochgehalten. Der Song «Lesbian Of The Year», der das späte Coming-Out der Gitarristin Leandra Earls thematisiert, deutet aber auch eine introspektive Ebene ihres Party-Sounds an. Wet Leg, die Band um die Britinnen Rhian Teasdale und Hester Chambers, sprachen auf ihrem zweiten Album «Moisturizer» zum ersten Mal queere Themen an, nachdem Rhian in einer Beziehung mit einer nicht-binären Person ist. Die Nummer «Catch These Fists» mit ihrem groovenden Post-Punk und dem gnadenlos killenden Gitarrenriff war 2025 sicher einer der grössten Highlights der queeren Indie-Disco.
Queer español y portugués
Zwar ist Englisch die Pop-Sprache schlechthin und Muttersprache von 400 Millionen Menschen, doch es sind weltweit rund 560 Millionen Menschen, die Spanisch sprechen und ungefähr 260 Millionen sprechen Portugiesisch. Das ist also ein riesiger Markt für Musiker*innen und der will bedienet werden. Auch Queers bieten hier ihre Lieder feil.
2025 ist Pablo Alborán 36 Jahre alt geworden und hat das auf seinem neuen Album zum Thema gemacht. «KM0» (Kilometer Zero), der Titel des Albums, ist eine Referenz an den Neustart, nach einer gescheiterten Beziehung. Im Lied «Mis 36» thematisiert er sein Alter. Ein Alter, in dem man zu reflektieren beginnt, alte Zöpfe abschneidet und neue Wege sucht. Seine Karriere begann vor 14 Jahren mit einem Debütalbum, das sich in seiner Heimat Spanien 6 Wochen auf Platz 1 halten konnte. Inzwischen hat auch Lateinamerika erobert, ein Coming-out unbeschadet überstanden und sein inzwischen 7. Album veröffentlicht. Das landete allerdings, im Gegensatz zu all’ seinen Alben zuvor, nicht auf Platz 1 – Platz 2 musste reichen.

Noch ganz am Anfang seiner Karriere steht Guitarricadelafuente. Álvaro Lafuente Calvo ist ein Singer-Songwriter und Gitarrist aus Barcelona der unter seinem Künstlernamen Guitarricadelafuente 2025 sein 2. Album «Spanish Leather» herausbrachte und es in den spanischen Charts bis auf Platz 3 schaffte. Ihm ist ein schönes Album gelungen, das ohne Umwege aufs Herz zielt. Er konnte damit sogar Troye Sivan begeistern, mit dem er zusammen das Duett «midsummer pipe dream» aufgenommen hat. Twinks im Duett, doch leider wurde Troye zum Videodreh nicht eingeladen.
2019 spielte die Brasilianerin Liniker vor ein paar hundert Leuten in der Turnhalle Progr in Bern. Damals war noch der Rechtsaussen-Politiker Bolsonaro Präsident von Brasilien. Nicht nur für die Trans-Aktivistin Liniker eine Herausforderung. Inzwischen hat sich einiges geändert in Brasilien. Die Regierung ist wieder Links, Liniker in ihrer Heimat ein Superstar und auf dem Sprung zum Weltstar. 2025 gewann sie als erste Transfrau gleich drei portugiesische Latin Grammy Awards. Den für das beste zeitgenössische Album («Caju»), für den besten Song («Veludo Marrom») und den besten Urban Song («Caju»). Dass sie es mit dem Weltruhm ernst meint, beweist ihre erste englischsprachige Single «When The Wind Blows», die sie 2025 veröffentlichte. Es ist eine Komposition der Bossa-Nova-Legende Gilberto Gil, die 40 Jahre lange verschollen war. Gilberto Gil hat Liniker persönlich darum gebeten, diesen Song neu aufzunehmen.
Der Portugiese Filipe Sambado ist ein Exzentriker wie aus dem Bilderbuch. Er bezeichnet sich selbst als non-binär und liebt es zu schockieren mit schrillen Klamotten und Make-up. So war auch seine Musik, die zwischen Avantgarde-Fado, Techno und Hyper-Pop pendelt, nicht unbedingt Massentauglich. Doch der inzwischen 40-Jährige ist altersmilde geworden. Er hat sich von allem Brimborium getrennt und seine Lieder nackig gemacht. Akustik-Versionen nennt man das im Pop. Lässt man nämlich die imposante Produktion der Studioaufnahmen beiseite, kommt die intime und fragile Seite seine Songs zum Vorschein. Man entdeckt die eigentliche Haut des Songs. Und die ist wunderschön, wie sein Album «Gémea Analógica» beweist.
QueerPop français
«Dix chansons démodées pour ceux qui ont le coeur abîmé» (zu Deutsch: Zehn altmodische Chansons für diejenigen mit einem gebrochenen Herzen») von Pierre Lapointe ist gemäss der französischen Tageszeitung «Le Figaro» das beste frankophone Album von 2025. Diesem Urteil können wir uns nur anschliessen. Das 15. Werk des schwulen Singersongwriters aus Quebec ist sehr berührend und klingt wie aus der Zeit gefallen. Barbara, Bécaud, Brel, Aznavour, Michel Legrand und Burt Bacharach lassen grüssen. In «Toutes tes idoles» konfrontiert uns Lapointe mit unserer eigenen Vergänglichkeit, wenn plötzlich alle unseren Jugend-Idole eins nach dem anderen wie Fliegen wegsterben. Immerhin durfte Pierre Lapointe für seine Lieblings-Gay-Ikone Amanda Lear den Song «Mon Amour Triste» mitkomponieren, der auf deren aktuellen Album «Looking Back» zu hören ist.

Die französische Singer-Songwriterin Loa Mercury schwankt zwischen unbesiegbarem Rockstar und sinnlicher Diva. Genderfluidität und Transidentität bilden das Fundament ihrer Kunst und ihres Images. Ursprünglich stammt das Lied „Un homme et une femme“ von Calogero und Zazie, nur heisst es bei ihnen «Pomme C». Aber Loa Mercury hat den Text neu geschrieben und daraus eine äusserst hörenswerte queere Hymne gemacht. Ein Aufruf, Genre-Etiketten zu überwinden und unsere Widersprüche anzunehmen.
Suzane, Frankreichs lesbischer Popstar mit Pagenschnitt und Superheldenkostüm, hat 2025 ihren Mix aus traditionellen französischen Chansons und Electro-Pop mit engagierten Texten weiterhin verbessert. Auf «Millénium» erweist sich Suzane einmal mehr als scharfe Beobachterin der jungen Generation und Kritikerin des Patriarchats. Im Chanson «Virile» wird sie aber persönlich. Darin thematisiert sie die ihr als Kind aufgezwungene Weiblichkeit, als gehänselt und drangsaliert wurde, weil sie lieber Hosen tragen und mit den Jungs Fussball spielen wollte.
Die EP «Jardin» der Belgier Oscar and the Wolf und Roméo Elvis entsteht aus der Begegnung zwischen einem offen schwulen Sänger (Ersterem) und einem heterosexuellen Rapper (Letzterem). Darauf kombiniert Oscar and the Wolf seinen Dream Pop mit den starken Rap-Passagen von Roméo Elvis, die oft mit Electro-Dance-Beats unterlegt sind. Die Verschmelzung ihrer, zumindest auf Papier, entgegengesetzten Welten funktioniert hervorragend. Der euphorische «Bon Sens» zielt auf die Tanzfläche.
Dance The Rainbow
Der queere Disco-Himmel im Jahr 2025 war von den üblichen Verdächtigten und einer kleinen Überraschung geprägt.
Pünktlich zur CSD-Saison zelebrierten der DJ und Produzent Felix Jaehn und der Singersongwriter JHart mit der empowernden neuen Single «Pride» Vielfalt und Selbstbestimmung.
«Love Who You Love» von Romy, dem lesbischen Drittel von The XX, hört sich an wie das Sequel von «Enjoy Your Life». Der Song ist ein Liebesbrief in 90s-Banger-Manier an die Sichtbarkeit und den Stolz queerer Menschen. Die Botschaft ist klar: Niemand kann uns die Liebe nehmen, die wir empfinden. Sie gehört uns.
Mit der EP «Someone Else Is Calling» kehrten Hercules & Love Affair nach drei Jahren Pause überraschend zurück. Zusammen mit Künstler:innen wie Hips & Lies und Quinn Whalley besann sich das Kollektiv um Andy Butler auf klassische samtene House-Vocals und bewährte Techno-Elemente.
French-Disco-Legende Cerrone und LGBTQ-Darling Christine and the Queens lernten sich bei den Olympischen Spielen in Paris im letzten Jahr kennen und brachten 2025 die gemeinsame EP «Catching Feelings» auf den Markt. Darauf befindet sich auch ein Remake von Cerrones Disco-Klassiker «Supernature» zusammen mit unserem Lieblings-Disco-DJ Purple-Disco-Machine. Das Ergebnis klingt mehr wie ein Refreshment als ein Lifting, aber das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau.
Als schwarze Transfrau hat sich Honey Dijon in einer von Männern dominierten Branche behauptet und Musik, Mode und Clubkultur zu ihrer Kunst gemacht. Ihre neue Single «The Nightlife» kombiniert ihre charakteristischen Deep-House-Rhythmen mit Chlöes warmen Vocals. Der Track atmet den Geist der New Yorker Underground-Szene und ist eine Hommage an Dijons Idole wie Janet Jackson und Grace Jones.
[1] ‘Men explicitly loving men is so threatening to the status quo’: why are gay male pop stars being shut out of the music industry?, 12.12.2025
Die Radio-Show
«Best of QueerPop 2025». Eine 2-stündige Radio-Show mit Songs, die so divers sind, wie die LGBTQ-Community! Mit Celeste, Dressed Like Boys, Brandi Carlile, Reneé Rapp, Nemo, Jake Wesley Rogers, Guitarricadelafuente, Conan Gray, Suzane, Andy Sharif, Kings Elliot, Calum Scott, Lola Young und vielen mehr.
Playlist
Die 100 besten Songs im 2025
100 queer Songs from 2025, musically as diverse as the LGBTIA+ community.
Selected by DJ Ludwig and DJ Corey for QueerUp Radio – www.queerupradio.ch
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