DJ Coreys MusikTipps für den März 2022

Dolly Parton, Hurray For The Riff Raff, Shamir, Troye Sivan, Josef Salvat, Kim Petras, Mavi Phoenix, Fishbach, Stromae, Mahmood & Blanco, LRDL, ditonellapiaga & Rettore

Das Album zum ersten Roman der Country-Ikone Dolly Parton. Eine Anleitung zum Überleben von Hurray For The Riff Raff. Shamir nimmt Gender, Queerness und Sexualität unter die Lupe. Troye Sivans Songs zur queeren Dramödie «Three Months». Josef Salvat will endlich Spass haben. Kim Petras macht jetzt auf «Pop-Nutte». Mavi Phoenix’ erstes richtiges Album nach der Transition. Ein Fest für Frankophile: die neuen Alben von Fishbach und Stromae. Last but not least: Die queeren Highlights des diesjährigen Sanremo-Festivals.  


DOLLY PARTON

Run Rose Run (Butterfly Records)

Die unverwüstliche Dolly Parton tritt in die Fussstapfen des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Mit dem erfolgreichen Krimiautoren James Patterson hat sie ihren ersten Kriminalroman geschrieben und liefert auch den passenden Soundtrack dazu. «Run Rose Run» erzählt die Geschichte eines Mädchens vom Lande, das im grossen Nashville ihren Traum der Musik-Karriere gegen alle Widerstände verfolgen will. Und da Dollys Stimme trotz ihrer 76 Lenzen immer noch jung und frisch klingt, übernimmt die Country-Ikone die Rolle des angehenden Stars gleich selber. Unglaublich: Auch nach 47 Alben und fast 7’000 Songs sind Dolly Partons grandioses Songwriting, unvergleichliche Gesangsdarbietung und charakteristisches Gitarrenspiel intakt geblieben.


HURRAY FOR THE RIFF RAFF

Life On Earth (Warner)

Auf ihrem achten Album orientiert sich die queere Band um Frontfrau Alynda Segarra neu und entfernt sich immer mehr von ihren Folk- und Americana-Wurzeln und vom “Nature Punk” ihrer Anfänge. In «Life On Earth» geben Hurray For The Riff Raff eine Anleitung zum Überleben und Wiederaufstehen in einer Welt, die sich ständig im Wandel befindet. Sie verpacken Drama und Hoffnung in warmen und melancholischen Indie-Pop-Rock-Songs, die hier und da an Kate Bush, PJ Harvey und Florence+The Machine erinnern.


SHAMIR

Heteorsexuality (AntiFragil Music)

Mit mitreissendem Hi-NRG-Pop, hochgepitchtem Gesang und einer grossen Plattenfirma im Rücken hielt Shamir aus Las Vegas 2015 Einzug in die Indie-Pop-Welt. Sein Debütalbum «Ratchet» wurde für ihn leider Fluch und Segen zugleich. Schliesslich entschied sich Shamir für seine künstlerische Freiheit. Seitdem bringt er seine Alben meistens als Self Release heraus. Als nicht-binäre Person of Colour, die sowohl männliche, als auch weibliche Pronomen verwendet, setzt sich Shamir auf seinem siebten Opus «Heterosexuality» mit dem eigenen nicht-hetero-Sein und mit der eigenen Geschlechtsidentität auseinander. Auch musikalisch sprengt er alle Grenzen und präsentiert einen mutigen Mix aus experimentellem Industrial Rock, Noise Rock, Elektropop, Hip Hop und 90s Rock.  


TROYE SIVAN & GORDI

Wait (Universal Music Australia)

TROYE SIVAN & Jay Som

Trouble (Universal Music Australia)

LGBTQ-Liebling Troye Sivan ist zurück mit einem Film und zwei extra dafür geschriebenen sepiafarbenen Dream-Pop-Songs. In «Three Months» spielt er die Rolle des Teenagers Caleb, der am Abend seiner Highschool-Abschlussfeier erfährt, dass er sich eventuell mit HIV infiziert haben könnte. Lange drei Monate wird es dauern, bis Caleb sicher weiss, ob er sich angesteckt hat oder nicht. Um dieses Warten dreht sich auch Troyes neuer Song «Wait», den er zusammen mit der australischen Sängerin Gordi eingespielt hat.


JOSEF SALVAT

Islands (Leafy Outlook)

Der in Australien geborene und in Paris lebende Josef Salvat ist bis jetzt ein Garant für elegante und melancholische Pop-Balladen gewesen. Auf seinem mittlerweile dritten Album «Islands» befreit er sich von den Fesseln eines Major-Labels. Dank der neuen Unabhängigkeit wagt der bisexuelle Künstler den Schritt in Richtung Spass und unbeschwerten Pop. Die letzten Alben von The Weeknd im Zeichen des neonfarbigen Synthie-Pops der 80er-Jahre haben «Islands» ganz bestimmt inspiriert. Die neue Sorglosigkeit tut Josef Salvat auf jeden Fall sehr gut.


MAVI PHOENIX

Marlon (LLT Records)

Mavi Phoenix hat sein zweites Album «Marlon» getauft. Der Name hat eine spezielle Bedeutung. Denn er steht für Mavis neue Identität und neues Selbstbewusstsein als trans Mann. Auf «Marlon» vollzieht Mavi Phonix einen radikalen Bruch mit dem alten Sound seines Debüts «Boys Toys», das zwischen Hip Hop und R&B pendelte.  Neu liefert Mavi Phoenix akustische Gitarrenklänge, Pop-Punk-Melodien, lässige Beats und sonnige Vibes. Er feiert sein neues Leben und fühlt sich ganz wohl in seiner neuen Rolle.


KIM PETRAS

Slut Pop (Republic Records)

Die deutsche Pop-Hoffnung und LBTQ-Ikone, die in den USA lebt, wurde durch ihre Transidentität weltweit bekannt. Mit den wunderbaren Bubblepop-Singles «The Future Starts Now» und «Coconuts» von 2021 läutete Kim Petras ihre neue Ära bei einem Plattenmulti ein. Im Vergleich zum fulminanten Auftakt ist die neue EP «Slut Pop» mit ihren sexuell expliziten Texten eine kleine Enttäuschung, auch wenn es dabei um eine gute Sache geht. Kim Petras hat sich von der Sexarbeiter*innen-Community inspirieren lassen und möchte, dass die Menschen weniger Vorurteile gegenüber der Prostitution haben. Warum sie ihren bisher raffinierten Electro-Pop mit dem Presselufthammer malträtieren muss, bleibt das ein Rätsel.


FISHBACH

Avec les yeux (Sony Music France)

Mit dem Debütalbum «A Ta merci» von 2017 gelang der französischen Sängerin, Schauspielerin, Model und DJane Flora Fishbach der Durchbruch. Auch auf ihrem Zweitling «Avec Les Yeux» verbindet Fishbach ihre Leidenschaft für den Synthie-Disco-Pop der 80er-Jahre mit klassischem Chanson und verleiht dem Ganzen ihre typische dunkle Note. In ihrem Retro-Pop geben sich Catherine Ringer von Les Rita Mitsouko, Jeanne Mas, Céline Dion, Mylène Farmer und Charlotte Gainsbourg ein Stelldichein. 


STROMAE

Multitude (Mosaert Label / Universal)

Auf seinem dritten Album «Multitude», zu Deutsch: Vielfalt, umarmt der belgisch-ruandische Rapper-Chansonnier leichte Rhythmen aus Südamerika, Asien, Afrika und Europa und paart sie mit tiefgängigen Texten. Stromae singt mehr und rappt weniger. Die Vielfalt im Albumtitel bezieht sich nicht nur auf die Musik, sondern auch auf die gesellschaftlichen Unterschiede. Stromae propagiert ein neues Männerbild, das sich bewusst von der toxischen Maskulinität verabschiedet hat. Er steht zur eigenen Verletzlichkeit, zu seinen Depressionen und setzt auf ein genderfluides Auftreten. Er hat sich von einem globalen Dance-Pop-Star zu einem ernst zu nehmenden Singersongwriter entwickelt.   


Das diesjährige Sanremo-Festival erwies sich schon wieder als das beste Schaufenster zum aktuellen Stand der italienischen Pop-Musik. Es gab auch drei queere Höhepunkte. Das seltsame Männer-Paar Mahmood (29) und Blanco (18) hat mit der urbanen Gänsehaut-Ballade «Brividi» (Island/Universal) den Gesangswettbewerb verdientermassen gewonnen. Ein Schauder der Liebe lässt beide im Song erbeben und erzittern. Für wen, bleibt leider ihr bestens gehütetes Geheimnis. La Rappresentante di Lista, die queere Indie-Pop-Band um Sängerin Veronica Lucchesi und Musiker Dario Mangiaracina, haben mit der grandiosen Disco-Funk-Nummer «Ciao Ciao» (RCA/Sony) das Teatro Ariston in eine schwule Grossraumdisco verwandelt. Ein anderes seltsames generationsübergreifendes Paar bestehend aus der Newcomerin ditonellapiaga und der schwulen Ikone Rettore war der moralische Sieger des Abends. Mit ihrem energiegeladenen, unverschämten und super ansteckenden Ohrwurm «Chimica» (BMG) haben die zwei seelenverwandten Ladies einen klugen und zugleich sexy Song für die Ewigkeit geschrieben.


SENDUNG HÖREN


Playlist


Die Musiktipps von DJ Corey immer am 1. Sonntag im Monat im QueerUp Radio auf Radio RaBe
https://queerupradio.ch

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.