Amanda Lear zeigt ihre Bilder in Muri

Disco-Queen und Künstlerin

In den 70er-Jahren war sie Europas Disco-Queen. Ganz in schwarzes Leder gehüllt, mit einer Peitsche in der Hand, sang sie mit tiefer Stimme «Follow Me» und verwirrte die Leute. Ist das ein Mann oder eine Frau? Das Gerücht kam ihr gerade recht, wenn es nicht sogar von ihr gezielt gestreut wurde. Ihr Geburtsgeschlecht blieb stets ein Mysterium. Ob sie nun als Bub oder als Mädchen zur Welt gekommen war, kommentierte sie stets mit einem enigmatischen Lächeln. «Es macht mich mysteriös und interessant», sagte sie. «Es gibt nichts, was die Pop-Welt mehr liebt als einen Freak.»

Amanda Lears Album «Sweet Revenge» von 1978

Mit der Single «Follow Me» und dem Album «Sweet Revenge» eroberte sie 1978 die Charts. Sie war damals (vermutlich) bereits 40-jährig und verkaufte ihre Disco-Erotik gewinnbringend. Amanda wurde zum Kultstar. Besonders das Gay-Publikum konnte sie mit ihrer speziellen Art begeisterten. Doch Amanda Lear war schon damals kein unbeschriebenes Blatt. Woher sie stammt, bleibt aber ein Geheimnis. Mal behauptete sie, ihre Mutter sei Engländerin, mal Vietnamesin oder Französin, ihr Vater könnte Russe sein oder Franzose. Mal wurde sie 1939 in Hanoi geboren, mal 1941 oder 1946 in Hongkong. Einmal behauptete sie sogar, sie komme aus Transsilvanien. Fakt ist: Die Jugend verbrachte Amanda in Internaten in der Schweiz und in Südfrankreich und sie studierte Kunst.

Swinging London und Dalí

Amanda Lear zog Mitte der 60er-Jahre nach London, als London die Stadt war, die swingte – ‚the place to be’ in Europa. Sie arbeitete als Model und vernaschte Rockstars. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie auf One Night Stands aus war: «Five hours is all you need with anyone», sagte sie gerne. Mit David Bowie hatte sie eine längere Affäre und sie plauderte aus dem Nähkästchen, dass er damals mehr Make-up benutzte als sie. Ihr erfolgreichster Modeljob war, als sie auf dem Cover des Roxy Music Albums «For Your Pleasure» zu sehen war. Doch die wichtigste Begegnung, die sie in London hatte, war die mit dem Surrealisten Salvador Dalí. «Du hast einen schönen Schädel», sagte Dalí zu Amanda, als er sie zum ersten Mal sah. Er holte sie in sein Atelier nach Cadaqués in Spanien, wo sie zu seiner Muse, Assistentin und Begleiterin bei öffentlichen Anlässen wurde. Bei ihm lernte sie auch das Handwerk des Malens. 15 Jahre dauerte die künstlerische Beziehung zu Dalí. Über diese Beziehung schrieb sie 1984 auch ein Buch, das von Dalí autorisiert wurde: «Le Dalí d’Amanda – 15 Jahre mit Salvador Dalí».

Disco-Queen

Mitte der 70er-Jahre erfand sie sich neu als Disco-Queen. Es soll Bowie gewesen sein, der sie zum Singen animierte. Allerdings sagte sie später, Bowie habe sie nur als Album-Cover gesehen. «Nach einer Weile wurde mir klar, dass er in ein Bild verliebt war, nicht in mich.» Es ist also kein Zufall, dass ihr erstes Album im Jahr 1977 den Titel «I Am A Photograph» trug. Besonders erfolgreich mit ihrer Musik war sie in Italien und in Deutschland und bei den Schwulen. Wieso das so war, wusste sie genau: «In Italien bin ich gross, weil sie alle so sexbesessen sind. In Deutschland hatte ich Erfolg, weil sie seit dem Krieg auf jemanden wie Marlene Dietrich gewartet haben. Ich spielte mit ihrem Bedürfnis nach einem betrunkenen Nachtclub-Vampir. Und ich habe die Schwulen gewonnen, weil sie die besten Diskotheken haben, aber vor allem wegen der aussergewöhnlichen Legende über mich.»

Amanda Lear als Disco Queen und mit Salvador Dali. Fotos: http://www.amandalear.com

Malerin und Moderatorin

Nachdem die Disco-Welle abgeflaut war, wurde Amanda Lear TV-Moderatorin im französischen, italienischen und deutschen Fernsehen. Wer erinnert sich nicht gerne an die trashige Erotik-Sendung «Peep!» auf RTL2 in den 90er-Jahren? Amanda allerdings fand, dass «Peep!» der grösste Fehler ihres Lebens war. Sie habe das nur gemacht, weil sie Angst hatte, das deutsche Publikum könnte sie vergessen. Und wenn wir schon Tacheles reden, Discomusik hat ihr eigentlich nie gefallen, lieber hätte sie Rockmusik gemacht.

Zwischen den Fernsehauftritten konzentrierte sie sich in ihrem Haus in Südfrankreich auf das Malen. Auch wenn sie viele der Texte ihrer Songs selbst geschrieben hat – und die sind oft unerwartet gut – ist die Malerei ihre wichtigste Ausdrucksform. Oft bedauert sie es, dass ihre Arbeit als Malerin vom Image der Disco-Queen überstrahlt wird. Zu Beginn ihres Schaffens waren die Bilder noch sehr von Dali beeinflusst. Inzwischen hat sie ihren eigenen Stil entwickelt und kann ihre Werke auf der ganzen Welt ausstellen.

Amanda Lear in Bern

Die Malerei führte Amanda Lear auch nach Bern. Der Galerist, PR-Spezialist und Event-Organisator Claudio Righetti kennt Amanda Lear schon seit den 80er-Jahren. Vor 20 Jahren hat er sie erstmals nach Bern ins Chalet Muri für eine Ausstellung eingeladen. Seither ist sie immer wieder mal in Bern. Am 27. Juni 2019 war eine Vernissage im Chalet Muri mit ihren Bildern angesagt. Wie jedes Mal, wenn Righetti einlädt, ist viel Prominenz anwesend. So gab es an diesem Abend ein Wiedersehen zwischen Amanda Lear und dem ewigen Bond-Girl Ursula Andress, die sich schon seit einem halben Jahrhundert kennen. Amanda Lear hat sich ihren Status als Ikone und Legende zu Recht verdient. Sie hat immer wieder Neues ausprobiert, ging ihren eigenen Weg, liess sich nie unterkriegen, auch wenn sie manchmal belächelt wurde, und ist sich doch stets selbst treu geblieben. Ob sie nun tatsächlich Trans ist oder nicht, spielt keine Rolle, denn sie hat bewiesen, dass es nicht aufs Geschlecht ankommt, sondern auf die Person und die ist beeindruckend – so oder so.


Die Ausstellung läuft noch bis am 20. Juli und kann auf Voranmeldung jeweils von Donnerstag bis Samstag zwischen 14 und 18 Uhr besucht werden. Voranmeldung: ausstellung@righetti-partner.com

https://www.righetti-partner.com

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