Almodóvar und Banderas – Leid und Herrlichkeit

«Dolor y gloria» läuft jetzt im Kino

 

In den 80er-Jahren war Antonio Banderas die Muse von Pedro Almodóvar. Dann trennten sich ihre Wege. Jetzt sie machen wieder Filme zusammen! Im neuen Film schlüpft die Muse in die Rolle des Mentors. Banderas spielt in «Dolor y gloria»einen alternden, schwulen Regisseur, der auf sein Leben zurückblickt.

Woran erkennt man einen Film von Pedro Almodóvar? An den Farben! Googelt man mit der Bildsuche nach Pedro Almodovar Filmen, scheint sich der Bildschirm rot einzufärben. Und wenn andere Farben vorkommen, sind diese genauso knallig. Das Rot für Liebe und Blut, das Goldgelb für Glorie und Sonne, das strahlende Blau für Himmel und Sehnsucht und das tiefe Schwarz für Tod und Trauer sind Almodóvars Farben. Wie die Farben sind auch die Storys seiner Filme: dramatisch, leidenschaftlich, hoffnungsvoll und manchmal dunkel und böse. Seit 1978 hat der Spanier 22 Filme gedreht und sie sind alle ‘typisch Almodovar’. Er hat das europäische Kino, wie auch das Queer-Cinema, mit seinem Stil geprägt wie kein anderer.

Die Gay-Community wurde 1982 auf ihn aufmerksam als der Film «Laberinto de pasiones – Labyrinth der Leidenschaften» in den Kleinkinos gespielt wurde. Es geht darin um den Prinzen Riza, der in Madrid im Exil seine Homosexualität auslebt. Er wird gesucht von seiner Stiefmutter, die auf Sperma aus dem Herrscherhaus aus ist und einem Islamisten mit ausgezeichneten Geruchssinn. Es ist eine schrille, überdrehte Komödie die in der Subkultur Madrids spielt und an die Filme von John Waters und Andy Warhol erinnert. Eine anarchistische Provokation die Spanien aufschreckte. «Ein farbenfrohes Dokument des Erwachens der spanischen Kulturbewegung nach Francos Tod, die nach Jahrzehnten der Anpassung und Unterdrückung sämtliche Grenzen bürgerlicher Moral, Sitten und Tabus sprengte und sich damit lautstark einen Platz im Bewusstsein der Öffentlichkeit sicherte.» (www.prisma.de)

Dieser Film war nicht nur für Pedro Almodóvar der Start in eine erfolgreiche Karriere, sondern auch für den Schauspieler Antonio Banderas, der in «Laberinto de pasiones», den Schnüffler mit homosexuellen Neigungen spielt. Der schöne Banderas wurde Almodovars Muse. Zusammen drehten sie mehrere Filme, wie die Klassiker «Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs» und«¡Átame! – Fessle mich!». Doch als Hollywood rief, haute Antonio Banderas ab und wurde Filmstar in Amerika. Zwar bekam auch Almodovar Angebote aus Hollywood, doch er lehnte ab, er wollte unabhängig bleiben und sich nicht dem Studiosystem Hollywoods unterwerfen. Almodovar war enttäuscht von Banderas, fühlte sich verraten. Er war es doch, der ihn zum Star formte! Sie gingen im Unguten auseinander.

Es dauerte 22 Jahre, bis sie sich wieder versöhnten und zusammen einen Film («La piel que habito», 2011) drehten. Im neusten Film von Almodóvar, «Dolor y gloria – Leid und Herrlichkeit», übernimmt die Muse nun sogar die Rolle seines früheren Mentors. Der Film, der in Cannes Premiere feierte, ist eine fiktionale Autobiografie Almodóvars. Banderas spielt einen gealterten Regisseur, der durch sein körperliches Leid seine Kreativität verloren hat. Der Filmemacher reflektiert Entscheidungen, die er in seinem Leben getroffen hat, erinnerst sich an die erste Liebe, an seine Mutter und an seine Sterblichkeit. Auch trifft er sich mit einem heroinsüchtigen Schauspieler, mit dem er früher arbeitete und heute wieder mit ihm Filme macht.

Sowohl für Almodóvar als auch für Banderas ist der neue Film wichtig, weil er ihnen neue Weg für die Zukunft aufzeigt. Wie sich schon in den letzten Werken zeigte, sind Almodóvar Filme nicht mehr so überdramatisch und schrill wie früher. Heute setzte er auf Gefühle und die Kunst seiner Schauspieler*innen. Auch für Antonio Banderas bedeutet der Film eine Zäsur. Vor zwei Jahren hatte Banderas einen Herzinfarkt, eine Erfahrung die ihn stark prägte. «Wenn man einmal gespürt hat, dass einem das Leben entwischen will, ist man nicht mehr derselbe. Man denkt und fühlt anders danach». Er habe noch nie so gut, so gefühlvoll gespielt, war in einigen Filmkritiken zu lesen.

Das Pedro Almodóvarschwul ist, war immer klar. Er hat sich nie versteckt und sprach in seinen Filmen LGBT-Themen an, lange bevor sie im Mainstream angekommen sind. «Es war ein Teil meines Lebens. Ich war davon umgeben» sagt er in einem Interview mit Variety. «Es war also etwas, das ich unbedingt in meine Filme einbauen wollte, um es als etwas Natürliches zu zeigen». Auch wenn er den neuen Film nicht also Biopic bezeichnen will, nicht mal als Porträt, erzählt er doch die Geschichte eines schwulen Filmemachers, der seine persönlichen Geschichten in Filme transportiert und draus etwas Universelles macht.

Ein Interview mit Pedro Almodóvar findest du im Mannschaft Magazin.

 

«Dolor y gloria» läuft jetzt in den Kinos.

 

 

 

 

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